Seit 2009  Beratung für Kapitalanleger

Nachhaltig investieren, Steuerlast reduzieren  profitieren!


Mehr als Immobilien strategische Investition: Nicht "Makler" – sondern Berater für Kapitalanleger: Im Auftrag ausgewählter, renommierter Bauträger begleiten wir Investoren bei der Auswahl zukunftsfähiger Denkmal- und Neubauimmobilien in wirtschaftlich starken Wachstumslagen – insbesondere in Bayern und Sachsen.

Unsere Objektangebote werden unabhängig und projektbezogen nach klar definierten Kriterien selektiert: Wertsteigerungspotenzial durch Standortentwicklung, steuerliche Effekte, Vermietbarkeit, sowie nachhaltige Marktfähigkeit.


Seit über 16 Jahren verbinden wir Marktkenntnis mit einem klaren Qualitätsanspruch:

  • Neubauprojekte: 5 % degressive AfA +🌱QNG 5 % Sonder-AfA
  • Denkmalimmobilien: Denkmal-AfA bis zu 75 % des Kaufpreises steuerlich abschreiben
  • KfW-Förderung: Förderdarlehen (zinsvergünstigt) bis 150.000 €
  • Full-Service: Vermietungsservice & Mietermanagement (SEV) ➜ für minimalsten Aufwand, egal wo Sie wohnen

Mehr als Immobilien strategische Investition

Nicht "Makler" – sondern Berater für Kapitalanleger: Im Auftrag ausgewählter, renommierter Bauträger

begleiten wir Investoren bei der Auswahl zukunftsfähiger Denkmal- und Neubauimmobilien

in wirtschaftlich starken Wachstumslagen – insbesondere in Bayern und Sachsen.


Seit über 16 Jahren verbinden wir Marktkenntnis mit einem klaren Qualitätsanspruch:

  • Neubauprojekte: 5 % degressive AfA +🌱QNG 5 % Sonder-AfA
  • Denkmalimmobilien: Denkmal-AfA bis zu 75 % des Kaufpreises steuerlich abschreiben
  • KfW-Förderung: Förderdarlehen (zinsvergünstigt) bis 150.000 €
  • Full-Service: Vermietungsservice & Mietermanagement (SEV) ➜ für minimalsten Aufwand, egal wo Sie wohnen

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VORANKÜNDIGUNG  NÜRNBERG

Neubauprojekt in zentraler und wachsender Stadtteillage🌱 QNG


📢 Verkaufsstart: Juli 2026
➧Wohnungsgrößen: in Planung
 ➧ 1-Zimmer- bis 4-Zimmer-Wohnungen

➧ Kaufpreise: in Planung
➧ Steuervorteile:
  5 % degressive AfA + QNG zertifizierte Neubauten mit Sonder-AfA gemäß § 7b EStG
➧ KfW Programm:
Kredit 297/298 KFN Wohngebäude QNG

Kontaktieren Sie uns

Datenschutzbestimmung: Ich bin damit einverstanden, dass mich Hohlfeld Immobilien e.K. kontaktiert (telefonisch od. per E-Mail) und meine angegebenen Daten zu diesem Zweck speichert. Die Datenschutzhinweise habe ich zur Kenntnis genommen.

VORANKÜNDIGUNG    ERDING - METROPOLREGION MÜNCHEN

Neubauwohnungen in zentraler Lage🌱 QNG


📢Verkaufsstart: Sommer 2026
➧ Wohnungsgrößen: ab ca. 51 m² bis ca. 159 m²
- in Planung ➧ 2-Zimmer bis 4-Zimmer-Wohnungen

➧ Kaufpreise: in Kürze
➧ Steuervorteile:
 5 % degressive AfA + QNG zertifizierte Neubauten mit 5 % Sonder-AfA gemäß § 7b EStG
➧ KfW Programm 1:
Kredit 297/298 KFN Wohngebäude QNG

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5 Schritte zur Kapitalanlage

1️⃣ Kontakt & Beratung

Tragen Sie sich über das Kontaktformular ein, buchen Sie direkt einen Termin über unseren Online-Kalender

– oder rufen Sie uns einfach an. In einem persönlichen Gespräch klären wir Ihre Anlageziele und alle Fragen rund um Immobilieninvestments.

2️⃣ Immobilien- & Finanzberechnung

Sie erhalten passende Projektvorschläge inklusive Finanzierungs-, Rendite- und Steuerberechnungen – transparent, nachvollziehbar und individuell auf Ihre Situation abgestimmt.

3️⃣ Finanzierung & Förderung

Nach der Auswahl Ihrer Wunschwohnung unterstützen wir Sie bei der Finanzierung – gemeinsam mit Ihrer Hausbank oder erfahrenen Finanzierungspartnern. Dabei prüfen wir auch mögliche KfW-Förderdarlehen und die besten Konditionen.

4️⃣ Besichtigung

Auf Wunsch besichtigen Sie das Projekt vor Ort und lernen den Bauträger sowie Referenzobjekte kennen. So gewinnen Sie Sicherheit und Vertrauen in Ihre zukünftige Kapitalanlage.

5️⃣ Notartermin

Wir organisieren den Notartermin, begleiten die Beurkundung und stehen Ihnen auch nach dem Kauf zur Seite.

Wir bleiben Ihr Ansprechpartner!


Informationen & Finanzierungsberechnung anfordern

📩 Nach Ihrer Anfrage erhalten Sie von uns unverbindlich erste Immobilienvorschläge mit Musterberechnung

inkl. Finanzierungs- und Steuereffekten

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🔒 Ihre Daten sind bei uns in sicheren Händen. Wir behandeln alle Informationen streng vertraulich, nutzen sie ausschließlich zweckgebunden und schützen sie durch höchste Sicherheitsstandards. . Vertrauen Sie auf unsere Diskretion und den verantwortungsvollen Umgang mit Ihren Daten.

Hohlfeld Immobilien e.K., HIKV.

Holger H. Hohlfeld

Antonia Seitz HIKV - Hohlfeld Immobilien e.K.

Antonia Seitz

Büroleitung

Celina Ansorge - Immobilienberatung HIKV Immobilien für Kapitalanleger

Celina Ansorge

Immobilienkauffrau (IHK)

Der zerplatzte Traum vom Eigenheim – HIKV

Marktanalyse & Perspektive

Der Markt hat sich entschieden.
Kapitalanleger
profitieren.

Steigende Zinsen, höhere Baukosten und zunehmende regulatorische Anforderungen haben den Immobilienmarkt neu geordnet. Was für viele Eigennutzer zur Herausforderung geworden ist, eröffnet langfristig orientierten Kapitalanlegern neue Chancen.

Nicht jede Immobilie profitiert gleichermaßen. Besonders gefragt sind heute hochwertige Neubauimmobilien mit nachhaltigem Gebäudestandard sowie sorgfältig sanierte Denkmalimmobilien – vor allem in Regionen mit wirtschaftlichem Wachstum, Zuzug und begrenztem Wohnungsangebot. Genau auf diese Segmente konzentriert sich HIKV.

Die Zinswende hat die Finanzierungslogik verändert

Über viele Jahre wurden hohe Immobilienpreise durch historisch niedrige Finanzierungskosten kompensiert. Die monatliche Belastung blieb trotz steigender Kaufpreise tragbar. Mit der Zinswende hat sich diese Rechnung grundlegend verändert.

Heute treffen höhere Finanzierungskosten auf weiterhin hohe Baukosten, steigende regulatorische Anforderungen und gestiegene Eigenkapitalanforderungen der Banken. Für viele Haushalte ist der Erwerb eines Eigenheims dadurch deutlich schwieriger geworden. Die Folge ist nicht nur eine vorübergehende Kaufzurückhaltung – es entsteht eine strukturelle Verschiebung: Menschen, die heute kein Wohneigentum erwerben können oder wollen, bleiben länger Mieter. Dadurch wächst die Nachfrage nach qualitativ hochwertigem Mietwohnraum.

»Die Wohneigentumsquote in Deutschland gehört weiterhin zu den niedrigsten in Europa. Gleichzeitig steigt die Nachfrage nach modernen und energieeffizienten Mietwohnungen.«

Neubauknappheit schafft langfristige Nachfrage

Der Wohnungsbedarf in vielen deutschen Wachstumsregionen bleibt hoch. Gleichzeitig ist die Zahl der Baugenehmigungen in den vergangenen Jahren deutlich zurückgegangen. Viele Projekte werden verschoben oder gar nicht umgesetzt, weil Baukosten, Finanzierungskosten und regulatorische Anforderungen die Wirtschaftlichkeit erschweren.

Während die Nachfrage nach Wohnraum bestehen bleibt, wächst das Angebot deutlich langsamer. Besonders betroffen ist hochwertiger Wohnraum mit modernen energetischen Standards. Für Kapitalanleger entsteht dadurch ein Umfeld, in dem knappe Angebote auf eine stabile Nachfrage treffen.

Wer nicht kauft, will trotzdem hochwertig wohnen

Die Anforderungen vieler Mieter haben sich verändert. Moderne Grundrisse, geringe Energiekosten, hochwertige Ausstattung, Nachhaltigkeit und gute Infrastruktur werden zunehmend vorausgesetzt. Insbesondere Fachkräfte, Akademiker, Führungskräfte und mobile Arbeitnehmer legen Wert auf Wohnqualität und langfristige Planbarkeit.

Wer als Kapitalanleger in moderne Premiumimmobilien investiert, vermietet daher nicht nur Wohnfläche – er bietet niedrige Energiekosten, moderne Wohnstandards, langfristige Nutzbarkeit und hohe Lebensqualität. Diese Faktoren wirken sich positiv auf Vermietbarkeit, Mieterstabilität und Fluktuation aus.

»Premiumneubau und hochwertige Denkmalimmobilien profitieren nicht von kurzfristigen Trends, sondern von langfristigen Veränderungen der Wohnraumnachfrage.«

Die größten Chancen entstehen nicht in gesättigten Märkten

Die interessantesten Investitionsstandorte sind häufig nicht die Märkte mit den höchsten Preisen, sondern jene Regionen, die von wirtschaftlicher Dynamik, Unternehmensansiedlungen und Bevölkerungswachstum profitieren. Dort entsteht die Nachfrage von morgen. HIKV konzentriert sich deshalb auf ausgewählte Wachstumslagen mit langfristigen Fundamentaldaten.

Potsdam
Wachstum im Berliner Umfeld
Potsdam profitiert von seiner unmittelbaren Nähe zu Berlin, einer starken Wissenschaftslandschaft, attraktiven Arbeitgebern und hoher Lebensqualität. Das Angebot an hochwertigem Wohnraum bleibt begrenzt, während die Nachfrage durch Zuzug und wirtschaftliche Entwicklung gestützt wird.
Metropolregion Nürnberg
Bayerns wirtschaftsstarke Alternative
Die Metropolregion Nürnberg, Fürth und Erlangen zählt zu den dynamischsten Wirtschaftsregionen Deutschlands. Unternehmen wie Siemens, DATEV und Novartis sowie zahlreiche Hochschulen und Forschungseinrichtungen schaffen ein stabiles Fundament für Wohnraumnachfrage und wirtschaftliches Wachstum.
Leipzig
Internationaler Wachstumsmagnet
Leipzig entwickelt sich seit Jahren überdurchschnittlich. Internationale Unternehmen, moderne Infrastruktur, attraktive Lebenshaltungskosten und eine wachsende Bevölkerung sorgen für eine kontinuierlich steigende Nachfrage nach Wohnraum und interessante Perspektiven für langfristige Vermietung und Wertentwicklung.

Zwei Anlageformen – ein Anspruch

HIKV konzentriert sich bewusst auf zwei Anlageklassen, die unterschiedliche Vorteile bieten und sich gleichzeitig hervorragend ergänzen.

🏗
Premiumneubau mit QNG
Hohe Energieeffizienz, nachhaltige Bauweise, langfristige Vermietbarkeit, attraktive Fördermöglichkeiten und steuerliche Vorteile für Kapitalanleger.
🏛
Denkmalimmobilien
Historische Architektur, begrenztes Angebot, besondere Wohnqualität und außergewöhnliche steuerliche Vorteile. Begünstigte Sanierungskosten nach § 7i EStG über zwölf Jahre steuerlich geltend machbar.
📍
Wachstumslage als gemeinsamer Nenner
Beide Anlageformen entfalten ihr Potenzial dort, wo Menschen zuziehen, Unternehmen investieren, Infrastruktur wächst und Wohnraum knapp bleibt. Deshalb steht die Standortqualität bei HIKV immer an erster Stelle.

Was QNG für Kapitalanleger bedeutet

Das Qualitätssiegel Nachhaltiges Gebäude (QNG) zählt zu den wichtigsten Nachhaltigkeitsstandards im deutschen Wohnungsneubau. Für Kapitalanleger ergeben sich daraus mehrere konkrete Vorteile.

Steuerliche Vorteile

QNG-Neubauten können – bei Vorliegen der gesetzlichen Voraussetzungen – zusätzlich von der Sonderabschreibung nach § 7b EStG profitieren. Dadurch sind zusätzliche Abschreibungen von bis zu 5 % jährlich über vier Jahre möglich. Diese Sonderabschreibung kann mit der degressiven AfA kombiniert werden.

KfW-Förderung

QNG-zertifizierte Neubauten eröffnen Zugang zu bestimmten Förderprogrammen der KfW. Je nach Programm können Investoren von zinsvergünstigten Darlehen profitieren.

Zukunftssicherheit

QNG-Gebäude erfüllen bereits heute hohe energetische und nachhaltige Anforderungen. Dadurch entsteht eine hohe regulatorische Planungssicherheit für langfristig orientierte Investoren.

QNG – was Kapitalanleger konkret erhalten
Steuerlich

Sonderabschreibung nach § 7b EStG: bis zu 5 % jährlich über vier Jahre, kombinierbar mit der degressiven AfA – ausschließlich für vermietende Kapitalanleger.

Förderung

Zugang zu KfW-Programmen für nachhaltiges Bauen: zinsvergünstigte Darlehen, geringere Finanzierungskosten über die gesamte Laufzeit der Investition.

Das HIKV-Premiumsegment auf einen Blick
  • Premiumneubau mit QNG-Zertifizierung – steuerliche Vorteile, KfW-Förderung, hohe Vermietbarkeit
  • Denkmalimmobilien mit steuerlichen Vorteilen – begünstigte Sanierungskosten nach § 7i EStG über zwölf Jahre
  • Wachstumslagen mit wirtschaftlicher Dynamik – strukturelle Nachfrage durch Zuzug und Unternehmensansiedlungen
  • Hohe Vermietbarkeit durch moderne Wohnqualität – stabile Mieter, geringe Fluktuation
  • Fokus auf langfristigen Vermögensaufbau – Sachwerte mit realem Nutzen und stabiler Nachfrage

Zwei Anlageformen. Ein Anspruch.

Die attraktivsten Investitionschancen entstehen häufig nicht in Phasen allgemeiner Euphorie, sondern in Zeiten struktureller Veränderungen. Während der Neubau zurückgeht und die Nachfrage nach hochwertigem Wohnraum weiter steigt, entstehen langfristige Chancen für Kapitalanleger mit Weitblick.

Nicht kurzfristige Marktbewegungen, sondern wirtschaftliche Entwicklung, Wohnraumbedarf und Standortqualität bilden die Grundlage nachhaltiger Vermögensbildung.

HIKV – Premiumimmobilien in Wachstumslagen.

🎙️ HIKV.Podcast


INV€STORENWISSEN • BLOG • PODCAST


Immobilien • Kapitalmarkt • Geldanlage  • Altersvorsorge 
• Steuern
• GEOPOLITIK • WIRTSCHAFT


von Holger H. Hohlfeld 2. Juni 2026
Hochwertiger Neubau und sanierte Denkmalimmobilien in zentralen Lagen, moderate Lohnkosten und ein stiller Sog aus dem teuren München: Wie aus der einstigen Arbeiterstadt einer der attraktivsten Wirtschafts- und Wohnstandorte Süddeutschlands wurde – und warum gerade das Premiumsegment hier besonders viel Spielraum bietet.
von Holger H. Hohlfeld 25. Mai 2026
Der zerplatzte Traum vom Eigenheim – und warum Kapitalanleger im Premium-Segment jetzt die Weichen stellen Lange galt die eigene Immobilie als der Inbegriff bürgerlicher Absicherung. Wer fleißig sparte, bekam einen Kredit, kaufte ein Haus oder eine Wohnung und baute damit fürs Alter vor. Dieses Bild ist in den vergangenen Jahren so gründlich zerstört worden, dass es für breite Bevölkerungsschichten auf absehbare Zeit nicht wiederkehren wird. Gleichzeitig öffnet sich für strategisch denkende Kapitalanleger ein strukturelles Fenster, das sich selten so klar präsentiert hat. Die Zinswende hat die Rechnung für immer verändert Der erste und härteste Schlag kam von der Europäischen Zentralbank. Nach Jahren historisch niedriger Zinsen, in denen Bauzinsen unter einem Prozent lagen und selbst hohe Kaufpreise durch niedrige monatliche Raten erträglich wirkten, stiegen die Zinsen innerhalb weniger Quartale auf über vier Prozent. Was das konkret bedeutet, lässt sich an einer einfachen Rechnung festmachen: Ein Annuitätendarlehen über 400.000 Euro kostete 2021 bei einem Zinssatz von 0,8 Prozent und zwei Prozent Tilgung rund 933 Euro im Monat. Dieselbe Summe kostet heute bei vier Prozent Zinsen über 2.000 Euro – und das, bevor die Tilgung auch nur nennenswert ansetzt. Für eine Familie mit einem gemeinsamen Nettoeinkommen von 5.000 Euro – was in Deutschland bereits dem oberen Mittelfeld entspricht – bedeutet das eine Belastungsquote von 40 Prozent allein für den Kapitaldienst. Banken, die verantwortungsvoll finanzieren, setzen die Grenze der tragbaren Belastung bei 30 bis 35 Prozent des Nettoeinkommens. Der Traum vom Eigenheim scheitert damit für Millionen Menschen schlicht an der Mathematik. Dazu kamen noch die Schuldenorgien der Regierungen aus Sondervermögen = Schuldenorgien, sodass der Kapitalmarkt nur noch gegen deutlich höhren Zinsen, bereit ist Kapital zu geben. Baukosten und neue Effizienzklassen: eine doppelte Zumutung Während die Zinsen stiegen, kletterten parallel die Baukosten auf ein Niveau, das vor wenigen Jahren undenkbar gewesen wäre. Material, Energie, Löhne, Genehmigungsverfahren und gestiegene Anforderungen an Nachhaltigkeit haben den Quadratmeterpreis für Neubau in Deutschland hoch getrieben – von Grundstückspreisen wegen Knappheit mal ganz zu Schweigen. Das Gebäudeenergiegesetz und die europäische Gebäuderichtlinie haben dazu eine neue Komplexitätsschicht gelegt. Wer heute einen Neubau errichtet, muss den Effizienzstandard EH 40 anstreben – was gegenüber früheren Standards einen Aufpreis von zehn bis zwanzig Prozent bedeutet. Wer hingegen einen Altbau in schlechter Energieklasse kauft – und das ist der Großteil des Bestands – steht vor Sanierungspflichten, deren Kosten je nach Baujahr und Zustand schnell enormen Summe erreichen können. Beides zusammen, Neubauaufpreis und Sanierungsdruck, hat dazu geführt, dass der Einstieg ins Wohneigentum so teuer ist wie noch nie. Gleichzeitig sank die Zahl der Baugenehmigungen 2023 auf den tiefsten Stand seit Jahrzehnten. Bauträger stoppten Projekte, Investoren hielten Kapital zurück, und der Neubau von Wohnungen ist auf ein Niveau gefallen, das den Bedarf nicht annähernd deckt. Das Eigenheim wird zum Privileg einer Minderheit Die gesellschaftliche Konsequenz dieser Entwicklung ist tiefgreifend. Eigentumsbildung ist in Deutschland heute nicht mehr eine Frage des Willens, der Disziplin oder des Sparens. Sie ist zunehmend eine Frage des Erbes, des familiären Hintergrunds oder einer starken Einkommenssituation. Wer kein Eigenkapital hat, wer nicht zufällig schon vor 2021 gekauft hat, und wer kein sehr hohes Einkommen vorweisen kann, wird in den nächsten Jahren sehr wahrscheinlich Mieter bleiben. Das ist keine vorübergehende Delle. Die strukturellen Faktoren – Zinsniveau, Regulierung, Baukosten, Flächenknappheit – werden sich nicht schnell umkehren. Selbst wenn die Zinsen moderat sinken sollten, werden die Baukosten nicht auf das Niveau von 2018 zurückfallen. Der Sanierungsdruck durch EU-Vorgaben wird eher zunehmen als abnehmen. Und die Lücke zwischen Angebot und Nachfrage an bezahlbarem Wohnraum in wirtschaftsstarken Regionen bleibt ungeschlossen. Starke Nachfrage nach Mietwohnungen – mit einem entscheidenden Qualitätsgefälle Was bedeutet das für den Mietmarkt? Schlicht: mehr Mieter, steigende Nachfrage und eine deutliche Verschiebung der Zahlungsbereitschaft. Wer sich kein Eigentum leisten kann, will zumindest gut wohnen. Die Mietergeneration von heute hat veränderte Ansprüche: Energieeffizienz, moderne Ausstattung, gute Anbindung, Nachhaltigkeit. Sie akzeptiert höhere Kaltmieten für niedrige Nebenkosten, weil die Gesamtbelastung dann günstiger ist als in einem schlecht gedämmten Altbau mit hohen Heizkosten. Genau hier entsteht eine Marktlücke, die für Kapitalanleger im Premium-Segment außergewöhnlich attraktiv ist. Während im mittleren und unteren Segment Leerstand und Mietpreisbremse das Bild bestimmen, sind hochwertige Mietwohnungen in guten Lagen faktisch nicht zu kriegen. Wartelisten statt Werbung, keine Leerstandsquoten, keine Preiszugeständnisse. Der Markt räumt diese Objekte sofort. Warum Kapitalanleger im Premium-Segment jetzt strukturelle Vorteile haben Der Rückzug privater und institutioneller Investoren aus dem breiten Wohnungsmarkt hat dazu geführt, dass der Wettbewerb unter Käufern spürbar gesunken ist. Wer heute kaufen will und kann – mit Eigenkapital, klarer Strategie und langem Atem – trifft auf deutlich weniger Bieter als noch 2022. Das verbessert die Einkaufskonditionen und damit die langfristige Rendite. Gleichzeitig bleibt das Angebot an hochwertigen Neubau-Mietobjekten (Premium-Wohnen) knapp, weil die meisten Bauträger ihre Projekte gestoppt haben. Was heute gebaut wird, wird morgen vermietet – und das zu Preisen, die den gestiegenen Herstellungskosten Rechnung tragen, ohne auf mangelnde Nachfrage zu stoßen. Die Kombination aus sinkender Neubautätigkeit und wachsender Mieternachfrage im oberen Segment ist eine klassische Angebotsknappheit, die langfristig für stabile und steigende Mieteinnahmen sorgt - inklusive Wertsteigerung! Neubau, Denkmal, Wachstumslage: drei Wege mit unterschiedlichen Profilen I m Premium-Segment gibt es drei Anlagetypen, die heute besonders interessant sind – und zwar aus unterschiedlichen Gründen. Neubau mit hohem Energiestandard ist die zukunftssicherste Form der Kapitalanlage im Wohnimmobilienbereich. Keine Sanierungspflichten, GEG-konforme Ausstattung, hohe Akzeptanz bei qualifizierten Mietern und maximale steuerliche Abschreibungsmöglichkeiten durch QNG-Sonder-AfA / degressive AfA / Denkmal-AfA. Wer heute in einen Neubau oder eine Denkmalsanierung mit Energieklasse A oder A+ investiert, hat die regulatorischen Risiken der nächsten zwanzig Jahre weitgehend ausgeschlossen. Denkmalschutzimmobilien bieten einen steuerlichen Hebel, der in dieser Form im deutschen Steuerrecht einzigartig ist. Nach Paragraf 7i und 7h des Einkommensteuergesetzes können sanierungsbedingte Kosten bei Denkmalobjekten zu hundert Prozent steuerlich geltend gemacht werden – verteilt auf zwölf Jahre. Für gut verdienende Anleger bedeutet das, dass ein erheblicher Teil der Investitionskosten vom Finanzamt mitgetragen wird. Kombiniert mit der emotionalen Attraktivität historischer Bausubstanz und der Lage in etablierten Innenstadtquartieren entsteht ein Anlageprofil, das Substanz, Steueroptimierung und stabile Vermietbarkeit verbindet. Wachstumslagen in aufstrebenden Regionen sind das dritte Standbein. Zentrale Lagen mit guter ÖPNV-Anbindung, urbaner Infrastruktur und etabliertem Wohnumfeld sind nicht reproduzierbar. Wer hier besitzt, besitzt Knappheit – und Knappheit ist die verlässlichste Grundlage für Preis- und Mietstabilität. Energieeffizientes Wohnen als Mietprämie der Zukunft Ein Aspekt, der in der öffentlichen Debatte noch zu wenig Beachtung findet, ist die wachsende Bedeutung der Warmmiete. In einem Umfeld steigender Energiekosten entscheidet nicht mehr nur die Kaltmiete über die Belastung eines Mieterhaushalts. Wer in einem Neubau neuer Energiestandards wohnt, spart gegenüber einem unsanierten Altbau monatlich viel Euro an Heizkosten. Diese Einsparung erhöht die Zahlungsbereitschaft für die Kaltmiete – und macht energieeffiziente Mietobjekte im Wettbewerb praktisch unschlagbar. Vermieter moderner, energieeffizienter Wohnungen können höhere Kaltmieten erzielen, ohne die Gesamtbelastung ihrer Mieter zu erhöhen. Das ist ein struktureller Vorteil, der mit jeder weiteren Verschärfung der Energieanforderungen größer wird – nicht kleiner. Die Botschaft Der Immobilienmarkt der kommenden Jahrzehnte ist ein Mietermarkt. Die Eigentumsquote wird sinken, die Qualitätsansprüche der Mieter werden steigen, und das Angebot an energieeffizientem, gut gestaltetem Wohnraum in Wachstumslagen wird die Nachfrage auf absehbare Zeit nicht decken.  Wer heute in diesem Umfeld investiert – mit dem richtigen Standort, dem richtigen Anlagetyp und einem langen Zeithorizont – positioniert sich nicht gegen den Markt. Er positioniert sich mit dem Markt. Mit seiner Richtung. Mit seiner Logik. Nicht der teuerste Standort gewinnt. Der richtige gewinnt.
von Holger H. Hohlfeld 22. Mai 2026
„Die gesetzliche Rente wird nicht mehr reichen“ – was Merz' Aussage wirklich bedeutet und warum Vermögensaufbau zur Pflicht wird Von einem Blick in die Zukunft des Sozialsystems Am 20. April 2026 sagte Bundeskanzler Friedrich Merz beim Jahresempfang des Bundesverbands deutscher Banken in Berlin einen Satz, der Millionen Menschen aufhorchen ließ: Die gesetzliche Rentenversicherung werde künftig allenfalls noch eine „Basisabsicherung" fürs Alter sein. Wer seinen Lebensstandard im Ruhestand halten wolle, müsse sich stärker auf betriebliche und private Vorsorge stützen. Der Aufschrei war groß — vor allem bei der SPD. Doch hinter der politischen Polemik steckt eine unangenehme Wahrheit, die Ökonomen und Demografen seit Jahrzehnten beschreiben. Merz hat sie nur laut ausgesprochen. Dieser Beitrag erklärt, warum das deutsche Rentensystem strukturell unter Druck geraten ist, was die staatlichen Förderreformen konkret bedeuten — und warum eine breite Vorsorgeverpflichtung den deutschen Immobilienmarkt grundlegend verändern könnte. Das Rentensystem: Ein Generationenvertrag unter Druck Das deutsche Rentensystem basiert auf dem sogenannten Umlageverfahren : Wer heute arbeitet, finanziert die heutigen Rentner. Dieses Prinzip funktioniert gut — solange das Verhältnis zwischen Beitragszahlern und Rentenempfängern stimmt. Das tut es immer weniger. 1962 finanzierten noch sechs Erwerbstätige einen Rentner. 2024 sind es nur noch etwa 2,5. In den 2030er Jahren, wenn die geburtenstarken Babyboomer-Jahrgänge vollständig in Rente gehen, werden es voraussichtlich nur noch zwei Arbeitende pro Rentner sein — rund 13,9 Millionen Erwerbstätige erreichen in den nächsten 15 Jahren das Rentenalter. Der Grund ist bekannt: Deutschlands Geburtenrate liegt seit über 55 Jahren unter dem bestandserhaltenden Niveau von 2,1 Kindern pro Frau. Aktuell sind es 1,4. Bleibt es dabei, bekommt jede Generation rechnerisch nur 70 Prozent der Köpfe ihrer Vorgänger. Der demografische Berg, den Deutschland überqueren muss, ist real — und sein Gipfel liegt in den frühen 2030ern. Die Zahlen hinter der Krise Das Rentenniveau — also das Verhältnis der Standardrente nach 45 Beitragsjahren zum Durchschnittslohn — liegt derzeit bei 48 Prozent. Gesetzlich wurde diese Haltelinie bis 2031 festgeschrieben. Danach ist offen. Ohne Reformen erwarten Fachleute einen Rückgang auf 44 bis 45 Prozent bis 2035. Gleichzeitig wird der Beitragssatz zur gesetzlichen Rentenversicherung — derzeit 18,6 Prozent — laut Prognosen bis 2030 auf bis zu 20,4 Prozent steigen. Das heißt: Arbeitnehmer zahlen mehr ein und bekommen proportional weniger heraus. Deutschland liegt bei der Nettoersatzquote — dem Verhältnis von Rente zu letztem Nettoverdienst — laut OECD-Pensionsbericht 2025 bei rund 53 Prozent, während der OECD-Durchschnitt bei 63 Prozent liegt. Mit weiterem Druck nach unten. Bundeszuschuss als stiller Indikator Was viele nicht wissen: Die gesetzliche Rentenversicherung kann sich schon heute nicht vollständig selbst tragen. Der Bundeszuschuss aus Steuergeldern beläuft sich 2026 auf rund 127,8 Milliarden Euro — Tendenz steigend. Das bedeutet: Jeder Steuerzahler subventioniert das Rentensystem, unabhängig davon, ob er selbst einzahlt. Merz und der Paradigmenwechsel: Was wirklich beschlossen wurde Die Aussage des Kanzlers war kein Versprecher. Sie war politisches Programm. Beim Jahresempfang der Deutschen Börse hatte Merz bereits zuvor angekündigt, 2026 werde ein „Jahr des Paradigmenwechsels in der deutschen Rentenpolitik" sein. Die Rentenversicherung solle weiterhin existieren — aber als Basis, nicht als Vollversorgung. Die legislative Umsetzung folgte prompt: Am 27. März 2026 beschloss der Bundestag das Altersvorsorgereformgesetz . Der Bundesrat stimmte am 8. Mai 2026 zu. Das Kernstück: Die ungeliebte Riester-Rente wird ab 2027 durch ein neues, flexibleres Altersvorsorgedepot ersetzt — ein staatlich gefördertes Wertpapierdepot, das Investitionen in Fonds und ETFs ohne verpflichtende Beitragsgarantie ermöglicht. Die neue Förderarchitektur Das neue System sieht vor: Grundzulage von bis zu 540 Euro jährlich durch den Staat Kapitalerträge bleiben in der Ansparphase steuerfrei Frühstart-Rente : Kinder erhalten vom 6. bis 18. Lebensjahr eine monatliche staatliche Einzahlung von 10 Euro als Startkapital für ihre spätere Vorsorge Kein Garantiezwang : Anders als bei Riester kann das Geld renditeorientiert — zum Beispiel in globale ETFs — investiert werden Zwei-Verträge-Grenze : Die Förderung ist auf zwei Verträge je Person beschränkt Deutschland nähert sich damit Modellen, die in Schweden oder den Niederlanden seit Jahrzehnten funktionieren: kapitalmarktbasierte Altersvorsorge als zweite Säule, staatlich angereizt, aber individuell gesteuert. Was die Steuersubvention wirklich bedeutet Auf den ersten Blick klingt die staatliche Förderung attraktiv. Auf den zweiten offenbaren sich die Grenzen. Die Steuerfreiheit in der Ansparphase ist eine Steuerstundung , keine Steuerbefreiung: Auszahlungen im Rentenalter werden versteuert. Wer im Ruhestand noch ein relevantes Einkommen hat, zahlt dann entsprechend. Für Bezieher geringerer Einkommen, die keine 540 Euro Zulage ausschöpfen können, ist die Wirkung begrenzt. Kritisch ist auch: Zusätzliche Vorsorge setzt verfügbares Einkommen voraus. Wer heute netto 1.800 Euro verdient, hat nach Miete, Energie und Lebensmitteln kaum Spielraum für ETF-Sparpläne. Die Förderarchitektur hilft Mittelschicht und Gutverdienern — jenen, die sie am dringendsten bräuchten, nützt sie wenig. Hier liegt die eigentliche sozialpolitische Sprengkraft der Merz-Aussage: Der Übergang zu mehr Eigenverantwortung ist nur für einen Teil der Bevölkerung reibungslos möglich. Die nächste Eskalationsstufe: Vorsorgeverpflichtung Was heute als Förderanreiz daherkommt, könnte morgen zur Pflicht werden. Die Logik dahinter ist einfach: Wenn der Staat weiß, dass die gesetzliche Rente nicht ausreicht, und gleichzeitig in 20 Jahren keine Altersarmut in Massenform finanzieren will, dann ist es nur konsequent, private Vorsorge irgendwann verpflichtend zu machen — analog zur KFZ-Haftpflichtversicherung. In Australien (Superannuation), Dänemark und den Niederlanden ist genau das Realität: Arbeitnehmer zahlen einen gesetzlich festgelegten Anteil ihres Einkommens in private Kapitalanlagen ein. Die Ergebnisse sind beeindruckend — und die Rentenlücken deutlich kleiner. In Deutschland ist dieser Schritt politisch noch nicht diskutiert. Aber die Richtung ist erkennbar. Die Frühstart-Rente für Kinder ist ein erster Schritt in diese Denklogik: Frühzeitiger Einstieg in Kapitalmarktvorsorge als gesellschaftliche Selbstverständlichkeit. Warum der Druck auf den Immobilienmarkt steigen könnte Je stärker die Eigenverantwortung in der Altersvorsorge zunimmt, desto mehr Kapital wird nach langfristigen Anlageformen suchen. Ein Teil dieses Kapitals wird in Aktien und Fonds fließen. Ein anderer Teil dürfte in Sachwerte investiert werden. Wohnimmobilien genießen in Deutschland traditionell ein hohes Vertrauen als Vermögens- und Altersvorsorgeinstrument. Gleichzeitig bleibt das Angebot knapp. Zu hohe Baukosten, strengere regulatorische Anforderungen, Fachkräftemangel und rückläufige Neubautätigkeit sorgen dafür, dass in vielen Regionen weiterhin zu wenig Wohnraum entsteht. Treffen steigende Nachfrage und begrenztes Angebot aufeinander, entsteht langfristig Druck auf Mieten und Immobilienpreise.er des Rheinlands — könnten Zuflüsse erleben, die ihr Preisniveau deutlich verändern. „Die meisten Menschen unterschätzen nicht die Höhe ihrer späteren Rente. Sie überschätzen die Zeit, die ihnen für den Vermögensaufbau noch bleibt." Die eigentliche Herausforderung für Anleger Die größte Gefahr für die Altersvorsorge ist häufig nicht die falsche Anlageentscheidung. Die größte Gefahr ist das Aufschieben. Viele warten auf: sinkende Immobilienpreise fallende Zinsen bessere Förderungen den perfekten Einstiegszeitpunkt Doch Vermögen entsteht in den meisten Fällen nicht durch perfektes Timing. Vermögen entsteht durch Zeit. Wer zehn oder fünfzehn Jahre früher mit dem Vermögensaufbau beginnt, profitiert deutlich stärker vom Zinseszinseffekt, von Tilgungsfortschritten und von langfristigen Wertentwicklungen. Die Antworten darauf werden die nächsten zehn bis zwanzig Jahre prägen — sozialpolitisch, wirtschaftlich und auf dem Immobilienmarkt. Eines steht fest: Die Zeit, in der man sich auf die gesetzliche Rente allein verlassen konnte, ist faktisch vorbei. Wer das ignoriert, trifft Anlageentscheidungen — oder Nicht-Entscheidungen — auf der Grundlage einer Illusion. Quellen: Angaben von Friedrich Merz beim Jahresempfang des Bundesverbands deutscher Banken, Berlin, 20. April 2026 (Tagesschau); Deutsche Rentenversicherung; Bundesministerium für Finanzen; OECD-Pensionsbericht 2025; Bundesinstitut für Bau-, Stadt- und Raumforschung; Rentenversicherungsbericht 2025 der Bundesregierung; empirica-Institut; Bundesrat-Beschluss Altersvorsorgereformgesetz, 8. Mai 2026.
HIKV, Holger H. Hohlfeld
von Holger H. Hohlfeld 9. Mai 2026
Die Stille Revolution: Wie BRICS die Weltordnung neu schreiben Ein Analyse-Essay über geopolitische Tektonik, den schleichenden Tod des Petrodollars und was das für uns alle bedeutet Prolog: Das Ende einer Ära beginnt leise Revolutionen kündigen sich selten mit Fanfaren an. Die vielleicht größte Machtverschiebung seit dem Ende des Zweiten Weltkriegs vollzieht sich nicht auf Schlachtfeldern, sondern in Währungsswap-Abkommen, in Hafenbauverträgen am Indischen Ozean und in den Sitzungssälen von Zentralbanken, die still und stetig ihre Dollarreserven verkaufen. Der amerikanische Dollar hat seit den 1970er Jahren als globale Leitwährung fungiert – gesichert durch das sogenannte Petrodollar-System, das Öl an den Dollar band und damit eine künstliche, aber mächtige Nachfrage nach US-Währung und US-Anleihen erzeugte. Dieses System beginnt zu bröckeln. Und die Konsequenzen – wirtschaftlich, militärisch, geopolitisch – werden die Welt der kommenden Jahrzehnte prägen. Teil I: BRICS – Die Koalition der Unzufriedenen Vom Fünfer-Club zur globalen Gegenmacht Ursprünglich von Goldman-Sachs-Analyst Jim O'Neill als rein ökonomische Kategorie für aufstrebende Märkte geprägt (Brasilien, Russland, Indien, China, Südafrika), hat sich BRICS in den vergangenen Jahren zu einem ernsthaften geopolitischen Projekt entwickelt. Die Erweiterungsrunde 2023–2025 macht dies unübersehbar: Ägypten, Äthiopien, Iran, die Vereinigten Arabischen Emirate und Indonesien sind beigetreten. Im Januar 2025 folgten Thailand, Malaysia und Indonesien als erstes ASEAN-Mitglied. Acht weitere Länder – darunter die Türkei, Nigeria und Kasachstan – haben den Status von Partnernationen erhalten. Was verbindet eine Gruppe so heterogener Staaten wie Brasilien, Iran und Indonesien? Vor allem eines: die kollektive Erschöpfung mit einem Weltfinanzsystem, das nach westlichen Regeln gespielt wird – und in dem die USA Sanktionen als außenpolitisches Werkzeug einsetzen, während der Dollar als strukturelle Waffe fungiert. Die BRICS-Gruppe repräsentiert heute etwa 32 % der globalen Erdgasproduktion und 43 % der weltweiten Rohölförderung. Damit hat das Bündnis nicht nur wirtschaftliches Gewicht, sondern strategische Energie-Dominanz. Hinzu kommt die schiere Bevölkerungsgröße: Mehr als die Hälfte der Menschheit lebt in BRICS-Staaten. De-Dollarisierung: Schritt für Schritt aus dem Dollar-Käfig Die konkreteste Aktivität des Bündnisses ist der koordinierte Versuch, die Abhängigkeit vom US-Dollar zu reduzieren. Dies geschieht auf mehreren Ebenen: Bilaterale Währungsabkommen: China und Russland wickeln inzwischen den Großteil ihres bilateralen Handels in Yuan und Rubel ab. Brasilien und China unterzeichneten 2023 ein Yuan-Real-Handelsabkommen. Indien kauft russisches Öl in Rupien. Alternative Zahlungssysteme: Chinas grenzüberschreitendes Interbanken-Zahlungssystem (CIPS) hat Stand Januar 2025 bereits 1.467 indirekte Teilnehmer in 119 Ländern und verbindet 4.800 Banken in 185 Ländern. Es ist kleiner als SWIFT, wächst aber rasant. Die New Development Bank (NDB): 2014 gegründet, vergibt sie Kredite zunehmend in Lokalwährungen – ohne die politischen Konditionalitäten des IWF. Gold statt Dollar: Zentralbanken weltweit haben 2024 zum dritten Mal in Folge über 1.000 Tonnen Gold gekauft. Polen führte mit 90 Tonnen. Diese Goldakkumulation ist kein Zufall, sondern eine koordinierte Strategie zur Reservediversifikation. Eine gemeinsame BRICS-Währung bleibt vorerst eine Diskussion, kein Plan. Beim Gipfel in Rio de Janeiro im Juli 2025 wurde das Thema aus der Abschlusserklärung gestrichen. Selbst Putin distanzierte sich öffentlich davon – nicht zuletzt, um Trumps Strafzölle abzuwenden. Was bleibt, ist die pragmatischere, aber nicht minder bedeutsame Strategie: Handelsabwicklung in Lokalwährungen für spezifische Transaktionen. Langsam, aber stetig. Teil II: Das Petrodollar-System und sein schleichendes Ende Wie ein Handschlag von 1974 die Welt formte Um 1971 hatte Nixon die Golddeckung des Dollars aufgehoben. Die Welt stellte sich die Frage: Warum sollte man noch Dollar halten? Die Antwort kam 1974, als die Nixon-Administration mit Saudi-Arabien einen stillen Deal schloss: Öl wird ausschließlich in Dollar gehandelt, die USA garantieren im Gegenzug die Sicherheit des Königreichs. Das Petrodollar-System war geboren. Die Folgen waren epochal. Jedes Land, das Öl kaufen wollte, musste zunächst Dollar erwerben. Das schuf eine globale und dauerhafte Nachfrage nach US-Währung. Die USA konnten ihr Handelsdefizit mit selbst gedrucktem Geld finanzieren – ein Privileg, das manche Ökonomen als "exorbitantes Privileg" bezeichnet haben. Der arabische Raum dreht sich Heute steht das Petrodollar-System unter ernstem Druck. Saudi-Arabien, das Herzstück des Systems, diskutiert offen die Diversifikation: Ein Teil der Ölexporte wird bereits in Yuan abgewickelt. Der Beitritt Saudi-Arabiens zu BRICS liegt auf dem Tisch – das Königreich hat eine Einladung erhalten und verhält sich "strategisch abwartend". Die VAE sind vollständiges BRICS-Mitglied. Der Iran – obwohl unter Sanktionen – treibt die De-Dollarisierung mit maximaler Motivation voran. Das paradoxe Bild: Innerhalb von BRICS sitzen Rivalen wie Iran und VAE, verbunden durch den gemeinsamen Nenner der Dollar-Skepsis. Das Petrodollar-System ist nicht tot. Aber die Erosion ist real und messbar. Der Anteil des Dollars an globalen Devisenreserven ist von 71 % im Jahr 2001 auf rund 57–59 % im Jahr 2024/25 gefallen. Teil III: China und der US-Anleihenmarkt – Eine gefährliche Abhängigkeit Vom größten Gläubiger zum strategischen Verkäufer China war lange der weltgrößte Halter amerikanischer Staatsanleihen. Auf dem Höhepunkt im November 2013 hielt die Volksrepublik US-Treasuries im Wert von 1,316 Billionen Dollar. Stand April 2025 sind es noch rund 760 Milliarden Dollar – ein Rückgang von über 40 % vom Höchststand. Dieser Verkauf ist kein Marktsignal, sondern ein geopolitisches Manöver. China diversifiziert seine Reserven systematisch: in Gold, in Yuan-Vermögenswerte, in Realwirtschaftsinvestitionen weltweit. Die Doppelschneidigkeit des Dollar-Schwertes Hier liegt eine der größten strategischen Spannungen unserer Zeit. China hat das Mittel, US-Anleihen in großem Stil zu verkaufen – was die US-Zinsen explodieren lassen würde, den Dollar schwächen und die US-Staatsfinanzen belasten würde. Aber China würde sich damit selbst schaden: Der Wert seiner verbleibenden Dollar-Bestände würde sinken, die chinesische Exportwirtschaft würde unter einem schwachen Dollar leiden. Es ist ein nukleares Patt im Finanzbereich: Jeder kann den Abzug drücken, aber niemand möchte das als Erster tun. Was tatsächlich passiert, ist subtiler und langfristiger: langsame, kontrollierte Diversifikation. Wenn diese über Jahre fortgesetzt wird und andere Länder – Japan, Golfstaaten, Schwellenländer – mitziehen, entsteht ein struktureller Nachfragerückgang nach US-Treasuries, der die USA langfristig zu höheren Zinsen und steigenden Schuldenkosten zwingen würde. Teil IV: Chinas Doktrin in Afrika – Der neue Kolonialismus oder die neue Seidenstraße? Die Belt and Road Initiative: Globale Ambitionen in Beton gegossen 2013 verkündete Xi Jinping die Neue Seidenstraße – die Belt and Road Initiative (BRI). Bis heute haben 53 von 54 afrikanischen Ländern Absichtserklärungen unterzeichnet. Kumulativ hat China seit 2013 über 1,175 Billionen Dollar in BRI-Länder investiert. 2025 war Afrika mit 61,2 Milliarden Dollar der Spitzenreiter der BRI-Investitionen – ein Plus von 283 % gegenüber dem Vorjahr. China baut Eisenbahnen, Häfen, Straßen, Kraftwerke und Datenzentren auf einem Kontinent, der laut Afrikanischer Entwicklungsbank unter einem massiven Infrastrukturdefizit leidet. Die Projekte kommen mit einem Versprechen: keine politischen Konditionen. Keine Forderungen nach Demokratie, Menschenrechten oder Governance-Reformen. Das unterscheidet China fundamental von westlichen Finanzierern wie dem IWF oder der Weltbank. Die chinesische Doktrin: Fünf Prinzipien und strategische Absicht Chinas Engagement in Afrika folgt erkennbaren Mustern: Ressourcensicherung: Die großen BRI-Projekte sind häufig ressourcengedeckte Deals – Infrastruktur im Tausch gegen Öl, Gas und Mineralien. Nigeria, Kongo, Sambia – überall wo wichtige Rohstoffe lagern, findet sich chinesisches Kapital. Markterschließung: Afrika mit 1,4 Milliarden Menschen ist ein Absatzmarkt der Zukunft. Chinesische Konsumgüter, Technologie und Dienstleistungen dringen tief in den Kontinent ein. Geopolitische Allianzbildung: In UN-Abstimmungen tendieren afrikanische Länder mit starker chinesischer Präsenz häufiger zu China-freundlichen Positionen. 53 BRI-Unterzeichner bedeuten 53 potenzielle Stimmen in internationalen Gremien. Infrastruktur als Machtinstrument: Chinesisch gebaute Häfen, Telecoms-Netze (Huawei dominiert den afrikanischen Markt) und Eisenbahnen schaffen langfristige technologische und logistische Abhängigkeiten. Schulden-Leverage: Wenn Länder ihre Kredite nicht bedienen können – Sambia, Ghana, Äthiopien haben alle Schuldenrestrukturierungen durchlaufen – sitzt China am Verhandlungstisch und hat Druckmittel. Die dunkle Seite der Seidenstraße Die Schulden afrikanischer Länder gegenüber China übersteigen in manchen Fällen die Tragbarkeitsgrenze. Sambias chinesisch gehaltener Schuldenanteil liegt bei 65,8 %. Sri Lanka musste 2017 den strategisch wichtigen Hambantota-Hafen für 99 Jahre an China verpachten – ein Präzedenzfall, der als "Schuldenfalle" in die geopolitische Literatur eingegangen ist. China baut außerdem überwiegend mit chinesischen Arbeitern und chinesischen Materialien, was lokale Beschäftigung und Technologietransfer begrenzt. Gleichzeitig wäre es unfair, das Bild zu vereinfachen: Manche afrikanischen Länder haben chinesische BRI-Kredite in solide makroökonomische Programme integriert. Die Erfahrungen sind heterogen. Die Kontroverse aber ist real. Teil V: Konsequenzen für Europa – Zwischen zwei Feuern Europas strategische Zwickmühle Europa steht vor einer strukturellen Herausforderung, die sich in den kommenden Jahren dramatisch zuspitzen könnte. Der Kontinent ist tief in das Dollar-System eingebunden: Öl und Gas werden in Dollar gehandelt, europäische Banken arbeiten mit SWIFT, europäische Staatsanleihen werden oft in Dollar bewertet. Eine De-Dollarisierung der Weltwirtschaft trifft Europa nicht wie die USA – aber sie trifft Europa dennoch empfindlich: Energiepreise: Verschiebt sich das Ölpreissystem weg vom Dollar, entstehen Wechselkursrisiken für europäische Importeure. Ein schwacher Dollar würde Öl-Importe verteuern, wenn diese in Yuan oder einem Korb anderer Währungen abgerechnet werden. Kapitalmarkt: Steigende US-Zinsen – ausgelöst durch nachlassende ausländische Nachfrage nach US-Treasuries – würden auch europäische Kapitalmärkte belasten. Die transatlantische Zinsdivergenz würde den Euro unter Druck setzen. Exportmärkte: China ist Europas größter Handelspartner. Ein eskalierender US-China-Konflikt, der Europa zum Ergreifen einer Seite zwingt, würde Exportmärkte gefährden. Deutschland, dessen Wirtschaftsmodell auf Industrieexporten nach China basiert, ist dabei besonders verwundbar. Rüstung und Sicherheit: Die Rückkehr Europas zu größerer Verteidigungsautonomie – sichtbar in den NATO-Debatten und dem europäischen Rüstungsschub seit 2022 – ist auch eine Reaktion auf die Erkenntnis, dass die USA als Schutzmacht unzuverlässiger werden könnten. Das Euro-Dilemma Europa hat seine eigene Antwort auf das Dollar-System: den Euro. Aber der Euro deckt nur einen Bruchteil der globalen Devisenreserven ab. Die Fragmentierung der EU, der Mangel an echten Euro-Staatsanleihen als sicherem Vermögenswert (trotz des EU-Wiederaufbaufonds) und die fehlende politische Union schwächen den Euro als Dollar-Alternativkandidat. Langfristig könnte eine schwächere Dollar-Dominanz sogar dem Euro nützen – wenn Europa die politische Reife entwickelt, die Lücke zu füllen. Das ist aber ein großes "wenn". Teil VI: Militärische Gefahren – wenn Währungskriege heiß werden Die Verbindung zwischen Finanz- und Sicherheitspolitik Geschichte lehrt: Wenn Hegemonialmächte ihren wirtschaftlichen Einfluss schwinden sehen, reagieren sie häufig mit militärischer Kraftdemonstration. Die USA haben ihre globale Militärpräsenz mit 800 Stützpunkten in über 80 Ländern historisch genutzt, um ihre wirtschaftliche Weltordnung zu sichern. Konkrete Risikozonen: Taiwan: Chinas zunehmende wirtschaftliche Stärke und die Rivalität mit den USA machen Taiwan zur gefährlichsten geopolitischen Bruchstelle der Welt. Ein militärischer Konflikt würde die globalen Halbleiterketten zerreißen und Europa in einen Wirtschaftsschock stürzen, der 2008 und Covid kombiniert wie Vorspeisen wirken würden. Südchinesisches Meer: China beansprucht weite Teile des Südchinesischen Meeres, durch das 30 % des weltweiten Seehandels fließt. Spannungen hier könnten Lieferketten global stören. Naher Osten/Arabischer Raum: Die Erosion des Petrodollar-Systems könnte US-Sicherheitsgarantien für Golfstaaten untergraben. Eine saudische Abkehr von den USA würde das geopolitische Gleichgewicht in einer der energiereichsten Regionen der Welt drastisch verschieben. Afrika als neue Frontlinie: Chinesische und westliche Einflussinteressen treffen in Afrika direkt aufeinander. Die Russland-Afrika-Beziehungen (Wagner-Gruppe, jetzt Africa Corps) und chinesische Investitionen konkurrieren mit dem schwindenden westlichen Einfluss. Das Dilemma der Sanktionen Ein zunehmendes Problem: US-Sanktionen verlieren an Wirksamkeit, wenn Länder außerhalb des Dollar-Systems handeln können. Die Sanktionen gegen Russland nach 2022 haben zwar geschmerzt, aber Russland hat über BRICS-Kanäle, Yuan-Handel und Parallelstrukturen überlebt. Das wird künftige US-Administrationen dazu verleiten, früher zu militärischen statt zu ökonomischen Druckmitteln zu greifen – was das Konfliktpotenzial erhöht. Teil VII: Der optimistische Ausblick – Warum mehr Multipolarität auch mehr Frieden bedeuten könnte Das Ende des hegemonialen Friedens? Die optimistische These klingt kontraintuitiv: Könnte eine Welt, in der die USA nicht mehr alleinige Ordnungsmacht sind, friedlicher sein? Das Argument: Viele der Kriege und Destabilisierungen der vergangenen Jahrzehnte – Irak, Libyen, Syrien, Afghanistan – wurden von westlicher Seite initiiert oder befeuert, oft mit dem Ziel, Regionen im Dollar-System zu halten oder strategische Kontrolle zu sichern. Ein System mit mehreren Gewichtszentren macht einseitige Interventionen schwieriger. Warum Multipolarität Potenzial für Stabilität hat Geringere Abhängigkeit schafft Verhandlungsmacht: Wenn Länder des Globalen Südens nicht mehr auf westliche Institutionen angewiesen sind, können sie auf Augenhöhe verhandeln. Das reduziert strukturelle Ressentiments. Wirtschaftliche Integration schafft Interdependenz: Je mehr Länder miteinander handeln – in beliebigen Währungen – desto mehr haben sie gemeinsam zu verlieren in einem Konflikt. Handelsnetzwerke sind historisch Friedensnetzwerke. BRICS als multilaterales Forum: Anders als die NATO ist BRICS keine Militärallianz. Es ist ein Wirtschaftsforum, das auf Nichteinmischung in innere Angelegenheiten setzt. Das schränkt die Neigung zu militärischen Abenteuern strukturell ein. Technologischer Wohlstand: Chinas Investitionen in Solarenergie, Elektromobilität und Digitalisierung – auch in Afrika – könnten Energiearmut bekämpfen. Energiezugang ist einer der stärksten Korrelatoren mit wirtschaftlicher Entwicklung und politischer Stabilität. Afrika als Gewinn: Ein Afrika, das Infrastruktur bekommt – auch wenn die Konditionen diskutabel sind – ist langfristig stabiler als ein Afrika, das ignoriert wird. Die Frage ist nicht ob, sondern wie und zu welchen Bedingungen gebaut wird. Europa und der Westen müssen hier eigene, bessere Angebote machen. Die Chance für Europa Eine multipolare Welt eröffnet Europa eine Rolle, die es lange aufgegeben hat: die des ehrlichen Maklers. Europa muss weder US-Vasall noch China-Partner werden. Als größter Binnenmarkt der Welt mit einer starken Rechtsstaatlichkeitstradition kann Europa: Handelsabkommen mit BRICS-Staaten schließen, die auf echte Gegenseitigkeit setzen In Afrika eine Alternative zur chinesischen Schuldenfinanzierung anbieten – der EU Global Gateway-Plan zielt darauf ab, aber braucht mehr politischen Willen und Kapital Eine eigene Außen- und Sicherheitspolitik entwickeln, die auf Deeskalation und Diplomatie setzt Den Euro als Teilreservewährung stärken, um die Abhängigkeit vom Dollar zu reduzieren Epilog: Der lange Abschied vom Dollar-Zeitalter Was wir erleben, ist kein schneller Kollaps, sondern eine langsame tektonische Verschiebung. Der Dollar wird nicht morgen sterben. Noch immer werden 57–59 % der globalen Devisenreserven in Dollar gehalten. Noch immer ist SWIFT das dominierende Zahlungssystem. Noch immer sind US-Treasuries der Benchmark für "sichere Anlage". Aber die Richtung ist klar. Auf jede Generation fällt eine Ordnung, die die vorherige ablöst. Das Britische Pfund verlor seine Leitrolle an den Dollar – von 1945 bis 1980 fiel sein Reserveanteil von 50 % auf 2 %. Es dauerte Jahrzehnte. Die aktuelle Verschiebung dürfte ähnlich langsam sein – aber sie ist real. Die entscheidende Frage für unsere Generation ist nicht, ob diese Verschiebung kommt. Sie ist, ob sie friedlich verläuft oder in Konflikt mündet. Das hängt davon ab, ob die abgelöste Macht – die USA – und die aufstrebenden Kräfte – China, Indien, die arabische Welt – Institutionen und Mechanismen aufbauen, in denen Konflikte ausgetragen werden ohne Schüsse. Europa, das in seiner Geschichte Krieg und Frieden, Hegemonie und Kooperation so nah erlebt hat wie kein anderer Kontinent, sollte dabei keine Zuschauerrolle einnehmen. Die Stille Revolution verlangt laute Diplomatie. Dieser Artikel ist eine Analyse, die faktische Grundlagen mit spekulativen Schlussfolgerungen verbindet. Quellen: IMF COFER-Daten, BRICS-Gipfelerklärungen, Green Finance & Development Center (BRI Investment Reports 2024/2025), Brookings Institution, Carnegie Endowment for International Peace, Council on Foreign Relations, Chicago Policy Review.
von Holger H. Hohlfeld 1. Mai 2026
Die Immobilie als Altersvorsorge: Was der Staat tun müsste – und warum er es nicht tut Teil 3 der Serie über echte Reformen. Nach Rente und Kapitalvorsorge: der unbequeme Blick auf Wohneigentum, degressive AfA und die 20 Jahre alte politische Fehlentscheidung, die bis heute nachwirkt. Die ehrlichste Form der Altersvorsorge? Es gibt eine Altersvorsorge, die in Deutschland seit Jahrzehnten funktioniert, ohne dass der Staat sie kaputtreformiert hat: das lastenfreie Eigenheim. Wer mit 67 Jahren mietfrei in einer abbezahlten Immobilie wohnt, braucht monatlich strukturell weniger als jemand, der 800, 1.000 oder 1.200 Euro Miete zahlt. Das ist keine Finanztheorie. Das ist Arithmetik. Und trotzdem behandelt der deutsche Staat das Eigenheim steuerlich wie ein Luxusprodukt, das man sich ohne staatliche Hilfe selbst leisten soll – während er gleichzeitig dasselbe Eigenheim, sobald es vermietet wird, mit einer ganzen Palette an Abschreibungsmöglichkeiten belohnt. Diese strukturelle Schizophrenie hat einen Namen: die Abschaffung der Eigenheimzulage im Jahr 2006. Der Sündenfall 2006: Wie Gerhard Schröder die Eigentumsförderung beerdigte Die Eigenheimzulage förderte bis Ende 2005 die Bildung von selbst genutztem Wohnungseigentum. Im Jahr 2004 wurden dafür rund 11,4 Milliarden Euro aufgewendet. Seit dem 1. Januar 2006 wird sie für neue Fälle nicht mehr gewährt. Die offizielle Begründung damals: zu teuer, zu ineffizient, zu viele Mitnahmeeffekte. Kritiker bemängelten, dass trotz der Förderung die Wohneigentumsquote in Deutschland im europäischen Vergleich relativ niedrig blieb. Was dabei verschwiegen wurde: Das Argument „die Leute hätten eh gebaut" stimmt strukturell nicht für mittlere und untere Einkommensschichten. Die Eigenheimzulage war für viele Familien der entscheidende Hebel, der eine Finanzierung erst tragbar machte. Die Abschaffung traf nicht die Besserverdienenden, die sich ein Haus ohnehin leisten können – sie traf den Facharbeiter mit zwei Kindern, den Erzieher, die Krankenschwester. Seither gilt: Im deutschen Steuersystem ist es grundsätzlich nicht möglich, die Kosten für den Erwerb oder Bau eines Eigenheims von der Steuer abzusetzen, wenn die Immobilie rein privat genutzt wird. Weder der Kaufpreis noch die Nebenkosten wie Grunderwerbsteuer oder Notarkosten können steuerlich geltend gemacht werden. Das ist eine politische Entscheidung. Keine naturgegebene Tatsache. Und es ist die falsche. Die perfekte Ungerechtigkeit: Vermieter vs. Eigennutzer Hier liegt der eigentliche Skandal – nicht dramatisch, aber strukturell tief verwurzelt. Wer eine Wohnung kauft und vermietet, kann die Gebäudekosten über Jahrzehnte steuerlich abschreiben. Die degressive AfA erlaubt es, im ersten Jahr fünf Prozent der Investitionssumme abzuschreiben, in den folgenden Jahren jeweils fünf Prozent des verbleibenden Buchwerts. Dazu kommen die Schuldzinsen als Werbungskosten, Verwaltungskosten, Instandhaltungsrücklagen – alles absetzbar. Wer dieselbe Wohnung kauft und selbst einzieht: nichts. Kein Cent absetzbar. Grunderwerbsteuer weg, Notarkosten weg, Maklerkosten weg – alles privat, alles aus dem Netto. Der Staat subventioniert also strukturell die Kapitalanlageimmobilie gegenüber dem Eigenheim. In einem Land, das eine Wohneigentumsquote von unter 50 Prozent hat – eine der niedrigsten in ganz Europa – ist das nicht nur ungerecht, sondern wirtschaftlich irrational. Die degressive AfA: Richtige Richtung, falscher Satz Immerhin: Es gibt Bewegung. Seit März 2024 kann für neu errichtete Wohngebäude, mit deren Bau nach dem 30. September 2023 und vor dem 1. Oktober 2029 begonnen wurde, eine degressive AfA in Höhe von fünf Prozent des jeweiligen Restbuchwerts in Anspruch genommen werden. Das ist besser als nichts. In der Praxis bedeutet das: Bei einem angenommenen persönlichen Steuersatz von 42 Prozent entstehen im ersten Jahr über die AfA Steuerrückerstattungen von über 800 Euro monatlich. Für Kapitalanleger in hohen Einkommensklassen ist das ein echter Hebel. Aber fünf Prozent sind zu wenig. Und der Zeitraum ist zu kurz. Was Deutschland braucht, ist eine degressive AfA von 10 Prozent auf Wohnimmobilien – dauerhaft, nicht befristet bis 2029. Die Begründung ist simpel: Bei beweglichen Wirtschaftsgütern für Unternehmen hat der Staat eine degressive AfA von bis zu 30 Prozent eingeführt, um Investitionsanreize zu setzen. Eine Maschine für den Maschinenbauer: 30 Prozent. Eine Wohnung für die Bevölkerung: fünf Prozent. Das ist keine kohärente Steuerpolitik. Das ist politisches Klienteldenken. Mit 10 Prozent degressiver AfA auf Wohnimmobilien würden Investoren in der kritischen Frühphase eines Projekts – genau dann, wenn die Finanzierungsbelastung am höchsten ist – eine deutlich spürbarere Steuerentlastung erhalten. Das würde Neubauprojekte rechnen lassen, die heute an der Wirtschaftlichkeitsgrenze scheitern. Weniger Projekte in den Schubladen. Mehr Wohnungen auf dem Markt. Das Eigenheim steuerlich absetzbar machen: Keine Sozialromantik, sondern Systemlogik Das selbst genutzte Eigenheim sollte steuerlich absetzbar sein. Zumindest in relevanten Teilen. Konkret: Die Zinsen auf das Eigenheimfinanzierungsdarlehen sollten – analog zum Vermieter – als Sonderausgaben absetzbar sein, begrenzt auf einen vernünftigen Höchstbetrag. Oder alternativ: eine wiedereingeführte, modernisierte Eigenheimzulage als direkter Zuschuss – progressionsunabhängig, damit sie tatsächlich den Mittelstand erreicht und nicht nur Besserverdienende, die vom Sonderausgabenabzug am stärksten profitieren. Die Kritik an der alten Eigenheimzulage – Mitnahmeeffekte, Kostenexplosion – ist berechtigt. Aber sie ist kein Argument gegen das Konzept, sondern gegen schlechte Ausgestaltung. Eine neu konzipierte Förderung könnte: 1. auf Einkommensgrenzen setzen, die realistische Mittelstandshaushalte treffen – also Haushalte zwischen 40.000 und 100.000 Euro Jahreseinkommen, nicht die Spitzenverdienenden. 2. an echte Nutzungsdauer gebunden sein: mindestens zehn Jahre Selbstnutzung als Bedingung, um kurzfristige Mitnahme zu verhindern. 3. mit energetischen Mindeststandards verknüpft sein – wer fördert, lenkt Investitionen in die richtige Richtung. Das Ergebnis: Familien, die heute an 3,5 Prozent Zinsen auf eine 500.000-Euro-Finanzierung zahlen, haben 17.500 Euro jährliche Zinslast. Davon nichts absetzen zu können, während der Vermieter nebenan seine Zinsen vollständig als Werbungskosten deklariert – das ist keine neutrale Steuerpolitik. Das ist eine aktive Entscheidung gegen Wohneigentum. Die Altersvorsorge-Trias: Was zusammengehört Wer die drei vorangegangenen Artikel dieser Serie gelesen hat, sieht das Bild jetzt vollständig: Die gesetzliche Rente wird zur Basisabsicherung – Merz hat recht. Kapitalgedeckte private Vorsorge mit echten steuerlichen Anreizen wird dringend gebraucht. Und das lastenfreie Eigenheim ist die dritte Säule, die dem deutschen Rentner das gibt, was keine Rente der Welt garantieren kann: Unabhängigkeit von Mietmärkten, die er nicht kontrolliert. Diese drei Säulen stehen aber nur dann, wenn der Staat nicht strukturell zwei von ihnen unterfinanziert und die dritte durch fehlgeleitete Steuerpolitik aushöhlt. Konkret heißt das: Die degressive AfA auf 10 Prozent erhöhen – nicht befristet, sondern als dauerhaftes Signal für Wohnungsneubauinvestitionen. Kombiniert mit der bestehenden §7b-Sonderabschreibung entstehen in den ersten Jahren Abschreibungsquoten, die Projekte rechnen lassen, die heute auf dem Papier scheitern. Das Eigenheim steuerlich einbeziehen – durch absetzbare Finanzierungszinsen oder eine modernisierte, zielgenaue Förderung für Mittelstandshaushalte. Nicht als Subvention, sondern als Gleichstellung mit dem Kapitalanleger, der dieselbe Immobilie nebenan für sich rechnet. Die Spekulationsfrist auf Eigenheime weiter flexibilisieren und Anreize schaffen, dass Eigenheime im Generationenwechsel nicht aus dem Markt verschwinden, sondern gezielt an Nachfolgegenerationen weitergegeben werden können. Was Bundesregierung stattdessen macht - nichts davon steht auf der Agenda. Das Sondervermögen fließt, wie gezeigt, nicht dort hin, wo es versprochen wurde. Die Rentenkommission tagt. Die AfA bleibt bei fünf Prozent und läuft 2029 aus. Eine Eigenheimförderung ist politisch nicht in Sicht. Der Mann, der beim Bankenempfang sagt, die Rente reiche nicht mehr, und bei dem nun alle auf Taten warten, lässt die Architektur für echte Eigenverantwortung ungebaut. Eigenverantwortung ohne Werkzeuge ist kein politisches Programm. Es ist eine Schuldzuweisung. Wer heute in eine Wohnung oder ein Haus investiert – ob zur Eigennutzung oder als Kapitalanlage – sollte das mit einem klaren Blick auf die aktuell verfügbaren steuerlichen Instrumente und deren Befristung tun. Die degressive AfA läuft bis 2029. Die §7b-Sonderabschreibung ebenfalls. Das Zeitfenster für die Kombination beider ist offen – aber endlich. Wer wartet, bis der nächste Kanzler/Regierung die Reform ankündigt und nicht liefert, wartet möglicherweise sehr lange. Dieser Beitrag ist Teil einer Serie zu privatem Vermögensaufbau und Altersvorsorge. Die Informationen sind keine steuerliche Beratung. Wer konkrete Investitionsentscheidungen trifft, sollte das mit einem unabhängigen Steuerberater und Finanzierungsexperten abstimmen.
von Holger H. Hohlfeld 1. Mai 2026
Ein Jahr Merz: Der Ankündigungskanzler und die Kunst des permanenten Versagens Mai 2025 – 365 Tage, die Deutschland verändern sollten. Stattdessen: ein Lehrstück in politischer Selbstdemontage. Der historisch blamable Einstieg Am 6. Mai 2025 erreichte Friedrich Merz im ersten Wahlgang mit 310 Ja-Stimmen nicht die erforderliche Kanzlermehrheit von 316 Stimmen – obwohl CDU, CSU und SPD zusammen über 328 Stimmen verfügten. Das war kein Ausrutscher. Das war ein Omen. 18 Mitglieder seiner eigenen künftigen Regierungskoalition hatten ihm die Unterstützung verweigert. Ein Mann, der als Retter der Nation antrat, scheitert an seiner eigenen Mannschaft, bevor er auch nur einen einzigen Tag im Amt war. „Diese Regierung ist handwerklich gescheitert, bevor sie überhaupt begonnen hat", sagte die Grünen-Abgeordnete Anna Lührmann. Selten war eine Prognose schneller bestätigt worden. Das Versprechen-Shredding: Vom Tiger zum Bettvorleger Friedrich Merz hat im Wahlkampf zwei Kernversprechen gemacht. Er hat beide gebrochen. Innerhalb von Wochen. Versprechen 1: Die Schuldenbremse ist heilig. Merz hatte im Wahlkampf gebetsmühlenartig die Verteidigung der Schuldenbremse versprochen. Dann kam er der SPD mit dem, was Kritiker als „größte Schuldenorgie aller Zeiten" bezeichnen, entgegen. Das Ergebnis: Ein 500-Milliarden-Euro-Sondervermögen über zwölf Jahre, durch das die Schuldenbremse faktisch ausgehebelt wird. Für den Bundeshaushalt 2026 sind Ausgaben von rund 525 Milliarden Euro geplant, mit einer Neuverschuldung von etwa 98 Milliarden Euro im Kernhaushalt. Wer Merz dabei zuhörte, wie er in der Opposition jahrelang jede SPD-Ausgabe als Teufelswerk geißelte, und ihm jetzt beim Unterzeichnen von Rekordschulden zuschaut, erlebt politische Heuchelei in Reinform. Das Ifo-Institut stellte fest, dass das Sondervermögen für Infrastruktur massiv zweckentfremdet wird – statt in tatsächlich zusätzliche Investitionen fließt das Geld in Bereiche, die ohnehin aus dem regulären Haushalt hätten finanziert werden sollen. Versprechen 2: Am ersten Tag seiner Amtszeit würde er alle Grenzen kontrollieren lassen. Merz hatte wörtlich versprochen: „Ich werde im Falle meiner Wahl zum Bundeskanzler der Bundesrepublik Deutschland am ersten Tag meiner Amtszeit das Bundesinnenministerium im Wege der Richtlinienkompetenz anweisen, die deutschen Staatsgrenzen zu allen unseren Nachbarn dauerhaft zu kontrollieren und ausnahmslos alle Versuche der illegalen Einreise zurückzuweisen." Was er dann mit der SPD vereinbarte: die Einschränkung „in Abstimmung mit unseren europäischen Nachbarn" – also faktisch nichts. FDP-Mann Rülke brachte es auf den Punkt: „Friedrich Merz ist als Tiger gesprungen, und nicht einmal zwei Wochen nach der Wahl sind nur noch zwei Bettvorleger übrig." Das Muster: Erwartungen maximieren, Ergebnisse minimieren Politikwissenschaftler Albrecht von Lucke zieht das Fazit: Merz sei ein „Ankündigungskanzler", der nicht einhole, was er verspreche. Er setze die Erwartungen zu hoch an und könne das Versprochene nicht einhalten. Das zieht sich durch das gesamte Jahr wie ein roter Faden. Beim EU-Gipfel im Dezember 2025: Das Ergebnis sei gut, bleibe aber hinter den von Merz geweckten Erwartungen zurück – ein Muster, das sich durch seine bisherige Kanzlerschaft zieht. In der Ukraine-Frage: viel Getöse um Taurus, keine Lieferung und eine schicke kommunikative Lösung: Militärhilfe für die Ukraine erklärte Merz schlicht für „sicherheitsrelevant" – darüber werde „nicht öffentlich" berichtet. Problem verschwiegen ist Problem gelöst. Beim Bürgergeld: Merz hatte Einsparungen von mehreren Milliarden Euro angekündigt. Die tatsächliche Reform lieferte jedoch nur minimale Effekte von etwa 86 Millionen Euro. Das sind 1,7 Prozent des Versprechens. Für den Rest zahlen wir weiter. Die Internationale Bühne: Zwischen Selbstinszenierung und Realität Außenpolitik ist der einzige Bereich, für den Merz-Verteidiger noch Punkte vergeben. Er sei in Europa präsenter als Scholz, heißt es. Stimmt. Nur: Präsenz ist kein Ergebnis. Beim EU-Gipfel zur Ukraine-Finanzierung hatte Merz vorab laut tönen lassen: Wenn die russischen Vermögen nicht angetastet würden, gebe es keinen Plan B. Den russischen Vermögen wurde nicht angetastet. Es gab trotzdem einen Plan B. Der Kanzler kann sich den belgischen Premierminister nicht mal vorknöpfen – das ist die reale Schlagkraft der deutschen Außenpolitik unter Merz. Und dann Trump. Das vergleichsweise gute Verhältnis zwischen US-Präsident Trump und Bundeskanzler Merz zeigt deutliche Risse. Trump bezeichnete Merz als „völlig wirkungslos" im Ukraine-Krieg und forderte ihn auf, sich um sein „kaputtes Land" zu kümmern. Von einem Mann, der selbst kein Vorbild an außenpolitischer Verlässlichkeit ist, als wirkungslos abgestempelt zu werden – das ist eine eigene Kategorie von Blamage. Die eigene Partei gibt auf Das Erschütterndste an diesem Jahr ist nicht, dass die Opposition Merz kritisiert. Das ist ihr Job. Das Erschütterndste ist, was aus den eigenen Reihen kommt. Die frühere CDU-Parteichefin Annegret Kramp-Karrenbauer setzte sich in einer Kampfabstimmung gegen den von Merz favorisierten Kandidaten durch und übernahm den Vorsitz der CDU-nahen Konrad-Adenauer-Stiftung. Was frühere Kanzler wie Angela Merkel oder Helmut Kohl ausgezeichnet habe: Allianzen zu organisieren. Diese Wahlschlappe wäre einer Merkel, einem Kohl, einem Adenauer nie passiert. In Teilen der Union wächst die Kritik an der Verhandlungsführung des Kanzlers. Ihm wird vorgeworfen, sich in Gesprächen zu stark an Positionen der SPD anzupassen und innerparteiliche Abstimmungen zu vernachlässigen. In der Unionsfraktion kursieren laut Berichten zunehmend spöttische Kommentare über die politische Linie des Kanzlers. Und der eigene Koalitionspartner? SPD-Fraktionschef Miersch sagte auf einem Parteievent, Merz sei „ein impulsiver Mensch" und: „So kann man eigentlich kein Kanzleramt führen." Das ist kein Oppositionspolitiker. Das ist der Mann, mit dem Merz jeden Morgen koalieren muss. Der Höhepunkt: Selbstmitleid als Staatsphilosophie Wer nach dem Destillat dieses Jahres sucht, findet es in einem Spiegel-Interview vom April 2026. Merz, der Tiger, der Macher, der Mann der klaren Worte, beklagte sich über Kritik in sozialen Medien und sagte: „Schröder hatte mit hartem Widerstand zu kämpfen, aber er wurde nicht so angefeindet, wie ich angefeindet werde. Kein Bundeskanzler vor mir hat so etwas ertragen müssen." Adenauer führte ein zerstörtes Land durch die Nachkriegszeit und die Wiederbewaffnungsdebatte. Kohl überstand die Wiedervereinigung, die Spendenaffäre und persönliche Demütigungen aller Art. Brandt trat zurück, weil ein Spion in seinem Kabinett saß. Und Friedrich Merz leidet unter Twitter-Kommentaren. Merz räumt im selben Interview ein: „Ob das am Ende des Tages wirklich gelingt, weiß ich heute noch nicht." Ein Kanzler, der nicht weiß, ob er Erfolg haben wird – und das ein Jahr nach Amtsantritt öffentlich zugibt. Das ist keine Bescheidenheit. Das ist eine Regierungserklärung der Ratlosigkeit. Die Zahlen lügen nicht Nur 15 Prozent der Deutschen sind mit der Arbeit der Bundesregierung zufrieden. 84 Prozent bewerten die Regierungsleistung negativ. Zwei Drittel der Befragten sind unzufrieden mit der von Merz angeführten Regierung. Selbst Donald Trump und Recep Tayyip Erdogan sind bei ihren Wählerinnen und Wählern beliebter als der CDU-Vorsitzende. In der INSA-Sonntagsfrage liegt die CDU/CSU mit nur noch 24 Prozent deutlich hinter der AfD mit 28 Prozent. Die Partei, die mit dem Slogan antrat, die AfD zu halbieren, hat sie an die Spitze der Umfragen gebracht. Nur 16 Prozent der Befragten wünschen sich, dass Merz über 2029 hinaus Kanzler bleibt. Selbst unter Unionswählern gibt es eine knappe Mehrheit, die dies nicht wünscht. Ein Meisterwerk des politischen Selbstmords The Spectator schrieb nach 100 Tagen: „Wir werden nicht nur Zeugen politischer Inkompetenz, sondern wohnen einer Lehrstunde bei, wie man die Demokratie für Populisten auf dem Präsentierteller anrichtet. Merz positionierte sich als Retter, der nach Jahren der Merkelschen Orientierungslosigkeit die Glaubwürdigkeit der Konservativen wiederherstellen wollte. Stattdessen hat er sich als weiterer rückgratloser Politiker entpuppt, der bereit ist, Prinzipien für die Illusion von Macht zu opfern." Ein Mann, der jahrelang in der Opposition wartet, alles besser zu wissen. Der dann die Schuldenbremse bricht, die er zur Religion erklärt hatte. Der Migrationsversprechen macht, die er am ersten Tag zurücknimmt. Der seine eigene Partei nicht zusammenhalten kann. Der bei Trump als „wirkungslos" gilt. Der beim EU-Gipfel seine eigenen Maximalforderungen kassiert. Und der dann im Spiegel klagt, dass kein Kanzler vor ihm so leiden musste. Friedrich Merz hat in 365 Tagen vor allem eines bewiesen: Es gibt einen Unterschied zwischen dem Reden über Macht und dem Ausüben von Macht. Und er sitzt leider auf der falschen Seite dieses Unterschieds. Die nächste Bundestagswahl ist 2029. Die Stimmung suggeriert: Sie könnte früher kommen.
von Holger H. Hohlfeld 15. April 2026
Geopolitik · Geldtheorie · Sachwerte Die große Entwertung Über das schleichende Ende des westlichen Finanzsystems, die Verschiebung der Weltmachtachse und warum Papierversprechen ihren Preis zahlen werden Ein spekulativer Analyse-Essay — April 2026 Haftungsausschluss: Dieser Text gibt ausschließlich die persönliche Meinung des Autors wieder. Er stellt keine Anlageberatung, keine Vermögensverwaltungsempfehlung und kein Angebot zum Kauf oder Verkauf von Wertpapieren, Immobilien oder sonstigen Vermögenswerten dar. Die hier entwickelten Szenarien sind spekulativer Natur und stellen lediglich eine von vielen möglichen Zukünften dar. Jeder Leser trägt die alleinige Verantwortung für seine finanziellen Entscheidungen. Konsultieren Sie stets unabhängige, regulierte Finanzberater. Es gibt Momente in der Geschichte, in denen das, was alle für unveränderlich halten, sich als bloße Konvention erweist. Das Römische Reich schien ewig. Die Kaufkraft des Pfund Sterling schien garantiert. Das Bretton-Woods-System schien unerschütterlich. Heute stehen wir möglicherweise an der Schwelle eines solchen Moments — diesmal für die gesamte westliche Geldarchitektur, die seit 1971 auf Vertrauen, Schulden und amerikanischer Hegemonie gebaut wurde. Was folgt, ist kein Untergangsmanifest, sondern eine Kartierung: ein Versuch, die tektonischen Kräfte zu benennen, die unter der Oberfläche unseres Alltags arbeiten — und aus ihnen praktische Schlussfolgerungen zu ziehen. I. Die tektonische Verschiebung: Der Westen verliert die Deutungshoheit Der Erste Kalte Krieg endete mit dem Triumph der liberalen Marktwirtschaft. Der Zweite beginnt leiser — mit Lieferketten, Währungsreserven und Handelsrouten. Chinas Belt-and-Road-Initiative (die sogenannte Neue Seidenstraße) ist dabei weit mehr als ein Infrastrukturprogramm: Sie ist die materialistische Infrastruktur eines geopolitischen Anspruchs. Über 140 Staaten haben Kooperationsvereinbarungen unterzeichnet. Häfen in Sri Lanka, Äthiopien, Pakistan, dem Nahen Osten — überall entstehen Knotenpunkte eines parallelen Weltsystems. »Wer die Straßen baut, bestimmt, wer sie benutzt — und wer bezahlt.« Die USA reagieren mit strategischer Gegenarchitektur: dem PGII (Partnership for Global Infrastructure and Investment), CHIPS Act, und dem Inflation Reduction Act — alles Instrumente, die Industriepolitik und staatliche Eingriffe normalisieren. Ironischerweise nähern sich Washington und Peking dabei in ihrer Methodik an: Beide setzen auf Planwirtschaft im großen Stil, nur mit anderem Vorzeichen. Planwirtschaft als Tendenz, nicht als Dogma: Wenn Zentralbanken Anleihemärkte kaufen, wenn Staaten ganze Branchen subventionieren, wenn Regulierung entscheidet, welche Energie produziert wird — dann vollzieht sich eine schleichende Planifizierung auch in nominell freien Märkten. Der Marktpreis als Informationsträger wird systematisch verzerrt. Die Folge: Fehlinvestitionen im industriellen Maßstab. II. Die Arithmetik des Untergangs: Staatsschulden und das Fiat-Dilemma Die USA tragen eine Staatsverschuldung von über 34 Billionen Dollar — mehr als das gesamte amerikanische BIP. Deutschland, Japan, Frankreich, Großbritannien: alle ähnlich. Die Eurozone insgesamt überschreitet 90 % des BIP. Diese Zahlen wären harmlos, wenn sie durch künftige Wachstumspfade zurückzahlbar wären. Das Problem ist: Sie sind es nicht. Denn das Fiat-Geldsystem — Geld, das durch staatliche Dekret existiert, nicht durch Gold oder reale Produktionsmittel gedeckt ist — hat eine inhärente Logik: Schulden können niemals wirklich zurückgezahlt werden, sie werden weginflationiert. Jedes neue Geldmengenwachstum verdünnt die bestehende Kaufkraft. Der Schuldner ist dabei paradoxerweise der Profiteur: der Staat. KernkonzeptDer Cantillon-Effekt — benannt nach dem irisch-französischen Ökonomen Richard Cantillon (1680–1734) — beschreibt, dass neu geschaffenes Geld nicht gleichmäßig in der Volkswirtschaft ankommt. Es fließt zuerst zu denjenigen, die dem Gelddrucker am nächsten stehen: Banken, Großkonzerne, Immobilienbesitzer, Finanzinstitutionen. Bis das neue Geld die Lohnempfänger und Sparer erreicht, sind die Preise bereits gestiegen. Das Ergebnis ist eine systematische Umverteilung von unten nach oben — nicht durch Besteuerung, sondern durch monetäre Inflation. Wer Sachwerte besitzt, gewinnt. Wer Geldvermögen hält, verliert. Die Zentralbanken haben dies in den Jahren 2020–2022 in Echtzeit demonstriert. Die quantitative Lockerung der EZB, der Fed, der Bank of Japan pumpte Billionen in die Märkte — Aktien und Immobilien explodierten, während Löhne real stagnierten. Der Cantillon-Effekt war nicht Theorie, sondern gelebte Wirklichkeit. III. Energiepreise als geopolitische Waffe Energie ist das Fundament jeder Wirtschaft. Wer Energie billig produziert, hat einen systemischen Wettbewerbsvorteil. Die Entscheidung Europas, fossile Energieträger aus geopolitischen und klimapolitischen Gründen rapid zu substituieren, ohne eine gesicherte Brückenlösung zu haben, ist eine der folgenreichsten Selbstschwächungen der Industriegeschichte. Die Folgen sind bereits sichtbar: Energieintensive Industrien — Chemie, Stahl, Aluminium, Glas, Keramik — verlagern Produktion in die USA (dank günstiger LNG) oder nach Asien. Deutschland, das industrielle Herz Europas, erlebt eine De-Industrialisierung in Zeitlupe. Das ist nicht nur ein wirtschaftliches, sondern ein geopolitisches Problem: Ein Europa ohne Industriebasis verliert seine strategische Autonomie. China hingegen subventioniert Energie für seine Industrie massiv — und hat gleichzeitig die globale Lieferkette für Solar, Batterien und Elektromobilität dominiert. Es ist die Ironie der Energiewende: Europa zahlt, China profitiert. Spekulative Warnung: Ein Szenario, in dem Russland und der Iran dauerhaft in den sino-zentrischen Handelsblock integriert bleiben, während arabische Staaten ihre Ölexporte teilweise in Yuan abrechnen, könnte mittelfristig die Petrodollar-Architektur destabilisieren — jene Konstruktion, auf der die globale Dollarnachfrage seit 1973 maßgeblich beruht. IV. Das Endspiel des Fiat-Systems: Stagflation und die Entwertung der Papierversprechen Was Stagflation bedeutet — und warum sie so gefährlich ist Inflation ist schmerzhaft. Rezession ist schmerzhaft. Stagflation — das gleichzeitige Auftreten beider Phänomene — ist besonders heimtückisch, weil die klassischen geldpolitischen Werkzeuge versagen. Erhöht die Zentralbank die Zinsen, um Inflation zu bekämpfen, verschlimmert sie die Rezession. Senkt sie die Zinsen, um die Wirtschaft zu stimulieren, heizt sie die Inflation weiter an. Das letzte Mal, dass die westliche Welt dies in voller Schärfe erlebte, war in den 1970ern — ausgelöst durch den Ölpreisschock nach dem Yom-Kippur-Krieg. Die strukturellen Bedingungen für eine neue Stagflationsperiode sind heute vorhanden: fragmentierte Lieferketten, hohe Energiekosten, geopolitische Unsicherheit, alternde Bevölkerungen, die weniger produzieren und mehr konsumieren, sowie massive Staatsverschuldung, die fiskalische Flexibilität einschränkt. »Inflation ist die ultima ratio des überschuldeten Staates — die einzige Steuer, für die kein Parlament stimmen muss.« Lebensversicherungen: Das stille Massenopfer Millionen Deutsche haben Jahrzehnte lang brav in Lebensversicherungen eingezahlt — in dem Glauben, damit für das Alter vorzusorgen. Was sie nicht eingepreist haben: eine strukturelle Inflationsrate von 4–6 %, die über 20 Jahre eine nominale Auszahlung real halbiert. Die Versicherungsbranche investiert die Prämien traditionell in festverzinsliche Staatsanleihen — also in jene Papiere, die der Staat im Zweifelsfall inflationiert. Das ist kein Verschwörungsmodell, sondern Arithmetik: Wer heute 100.000 Euro als garantierten Auszahlungsbetrag in 20 Jahren vertraglich hat, und wer annimmt, dass die durchschnittliche Inflationsrate bei 4 % liegt, erhält real nur noch etwa 45.000 Euro in heutiger Kaufkraft. Das Versprechen wurde gehalten — der Wert wurde trotzdem vernichtet. V. Die Verschiebung der Weltordnung: Von Dollar zu Multipolarität Der Dollar ist noch immer die globale Leitwährung — aber sein Anteil an den Währungsreserven ist von über 70 % in den frühen 2000ern auf unter 60 % gefallen. Die BRICS-Erweiterung (nun BRICS+ mit Ägypten, Iran, Saudi-Arabien, den Vereinigten Arabischen Emiraten, Äthiopien) signalisiert einen politischen Willen zur Entdollarisierung, auch wenn die technische Umsetzung noch vage ist. Entscheidend ist nicht, ob der Dollar in 10 Jahren kollabiert — das ist unwahrscheinlich. Entscheidend ist, ob seine Sonderrolle als Reservewährung geschwächt wird. Denn diese Sonderrolle ist das Fundament, auf dem die USA ihren chronischen Leistungsbilanzdefizit mit gedrucktem Geld finanzieren konnten. Fällt dieses Privileg weg, folgt ein schmerzhafter Anpassungsprozess: höhere US-Zinsen, schwächerer Dollar, steigende Importpreise — also Inflation. China verfolgt derweil eine nüchterne, langfristige Strategie: Gold kaufen (offiziell über 2.200 Tonnen, vermutlich mehr), Yuan-Handelssysteme aufbauen, Technologiestandards setzen, Währungsswap-Abkommen schließen. Es ist die strategische Geduld einer Zivilisation, die in Jahrhunderten denkt. VI. Die Antwort der Sachwerte: Warum Immobilien und Edelmetalle strukturell gewinnen Wenn das "Papierversprechen" entwertet wird, gewinnt das Reale. Das ist die einfache, aber tiefe Logik des Sachwert-Arguments. Und sie ist nicht neu: Sie hat sich in der Weimarer Republik bestätigt, in der türkischen Lira-Krise, in der argentinischen Peso-Geschichte, in Zimbabwe. Wer ein Haus oder physisches Gold besaß, war strukturell besser gestellt als wer Bankguthaben oder Staatsanleihen hielt. Immobilien: Der dreifache Schutz I mmobilien bieten in einem inflationären Umfeld drei gleichzeitige Schutzfunktionen: erstens steigen Mieteinnahmen tendenziell mit der Inflation; zweitens wird die nominale Schuldenlast eines Hypothekendarlehens real entwertet; drittens steigt der Substanzwert der Immobilie mit den Bau- und Grundstückspreisen. Ein KfW-40-Neubau in einer demografisch stabilen Region mit Zuzug — wie dem Großraum München, Nürnberg oder Frankfurt — kombiniert diese drei Eigenschaften mit staatlich geförderter Energieeffizienz. Edelmetalle: Die 5.000-Jahre-Versicherung Gold ist kein Investment im klassischen Sinne — es zahlt keine Dividende, erwirtschaftet keine Miete. Gold ist Kaufkraftkonservierung. Eine Unze Gold kaufte vor 2.000 Jahren einen guten römischen Männeranzug. Sie kauft heute einen guten Anzug. Der Dollar von 1913 hat 97 % seines Wertes verloren. Gold hat seinen Wert behalten. In einem Umfeld steigender Schuldenmonetisierung, sinkenden Realzinsen und geopolitischer Fragmentierung ist Gold die rationalste Versicherung gegen systematisches Staatsversagen. VII. Handlungsempfehlungen — in Szenarien gedacht Handlungen unter Unsicherheit erfordern Szenariodenken, keine Gewissheitsbehauptungen. Die folgenden Überlegungen gelten für ein Umfeld anhaltend erhöhter Inflation, schwacher Realzinsen und geopolitischer Fragmentierung — alles andere als unwahrscheinlich. 01 Reale Aktiva Substanzwerte gegenüber Nominalwerten übergewichten. Immobilien (direktes Eigentum), physisches Gold und Silber, Produktivland, Rohstoffe... 02 Schulden strategisch nutzen Langfristige Festzinsdarlehen auf Sachwerte sind im inflationären Szenario vorteilhaft: Der Realwert der Schuld sinkt, der Sachwert steigt nominal. 03 Papierversprechen prüfen Lebensversicherungen, Rentenpolicen, langlaufende Anleihen: auf Kaufkrafterhalt prüfen. Überprüfen Sie Realrendite nach Inflation. 04 Produktivkapital Anteile an Unternehmen (Aktien) mit Preissetzungsmacht, niedrigem Kapitalintensitätsbedarf und realen Assets (Energie, Rohstoffe, Agrar). VIII. Die spekulative Warnung: Was wenn schneller? Das Basisszenario dieses Essays ist graduell: eine langsame, strukturelle Entwertung über Jahre und Jahrzehnte. Aber Geschichte neigt zu Nichtlinearität. Lehman Brothers kollabierte in einem Wochenende. Die Sowjetunion löste sich in Monaten auf. Das britische Pfund verlor seinen Reservewährungsstatus in einem Jahrzehnt. Ein Beschleunigungsszenario könnte ausgelöst werden durch: eine ernsthafte Dollaralternative für Ölhandel, einen US-Schuldenausfall (technisch oder inflationär), eine koordinierte BRICS-Währungsinitiative, oder einen größeren geopolitischen Konflikt, der Lieferketten massiv stört. In solchen Szenarien werden die Anpassungsprozesse nicht graduell, sondern brutal sein. Wer nicht vorbereitet ist, verliert einen Großteil seines realen Vermögens. »Das System kollabiert nicht, weil es ungerecht ist. Es kollabiert, weil es arithmetisch unhaltbar ist.« Der Cantillon-Kompass Der Cantillon-Effekt gibt uns letztlich einen einfachen Kompass: Stehe so nah wie möglich an der Entstehung von realem Wert — und so weit wie möglich weg von bloßen Versprechen zukünftiger Geldflüsse. Immobilien sind real. Gold ist real. Produktive Unternehmen sind real. Staatsgeld ist ein Versprechen — eines, das in der Geschichte tausendfach gebrochen wurde. Das bedeutet nicht, alles zu verkaufen und Gold unter der Matratze zu horten. Es bedeutet, das eigene Portfolio mit historischem Bewusstsein zu konstruieren — in dem Wissen, dass das Fiat-Experiment jung ist, die Menschheitsgeschichte aber lang. Dieser Essay ist ein spekulativer Analyse-Text und gibt ausschließlich die persönliche Meinung des Verfassers wieder. Er stellt keine Anlageberatung dar und erhebt keinen Anspruch auf Vollständigkeit oder Korrektheit der dargestellten Prognosen. Historische Wertentwicklungen sind kein verlässlicher Indikator für zukünftige Ergebnisse. Die hier beschriebenen Szenarien sind eines von vielen möglichen Zukünften. Bitte konsultieren Sie für individuelle Anlageentscheidungen stets einen unabhängigen, regulierten Finanzberater. Quellen- Referenzrahmen: Cantillon, R. (1755). Essai sur la Nature du Commerce en Général. — Hayek, F.A. (1976). Denationalisation of Money. — Ray Dalio, Principles for Dealing with the Changing World Order (2021). — BIS Quarterly Review, diverse Jahrgänge. — IMF World Economic 2024–2025.
TOTALVERLUST DROHT: Investitionen in Windparks
von Holger H. Hohlfeld 7. April 2026
Risiken privater Investitionen in Windparks:  Warum es immer unwirtschaftlicher wird - Totalverlust droht! Investitionen in Windparks bergen für private Anleger hohe Risiken, darunter Totalverluste und Nachzahlungen. Viele Projekte scheitern an schwankenden Erträgen und Insolvenzen, wie aktuelle Fälle zeigen. Deterministische Risikofaktoren für Privatinvestoren Der Erwerb von Windpark-Beteiligungen unterliegt spezifischen rechtlichen und ökonomischen Gefahren: Nachrangigkeit und Haftung: Die meisten Beteiligungen werden als qualifizierte Nachrangdarlehen strukturiert. Im Falle einer Insolvenz werden diese Forderungen erst nach den besicherten Bankkrediten und Lieferantenverbindlichkeiten bedient. In der Praxis kommt dies einem Totalverlustrisiko gleich. Steuerliche und rechtliche Regressansprüche: Unregelmäßigkeiten in der Geschäftsführung oder fehlerhafte Mittelverwendungskontrollen können dazu führen, dass steuerliche Vorteile (z. B. durch Betriebsausgabenabzug) rückwirkend aberkannt werden, was erhebliche Nachzahlungen für den Anleger nach sich zieht. Operationelle Defizite: Standortbezogene Fehlkalkulationen (z. B. fehlerhafte Windgutachten oder falsch berechnete Nabenhöhen) mindern die langfristige Performance. Da Windparks hohe Fixkosten (Wartung, Pacht, Versicherung) aufweisen, führen Mindererträge unmittelbar in die bilanzielle Überschuldung. Bekannte Insolvenz-Beispiele Prokon Regenerative Energien ging 2014 insolvent und ließ 75.000 Anleger mit 1,4 Milliarden Euro in Genussrechten zurück, von denen viele nur 30-60 Prozent zurückerhielten. BayWa r.e. geriet 2024 in Schieflage, sodass Privatanleger wie ein Rentnerpaar mit 20.000 Euro im Windpark Langenbrander Höhe um ihren Einsatz bangen. Weitere Fälle wie Windreich (2013), Eno Energy (2025) und Green City AG zeigen, wie Projektentwickler pleitegehen und Anleger ihr Kapital verlieren Zentrale Risiken für Anleger Private Investoren haften oft über Nachrangdarlehen, die im Insolvenzfall erst nach Banken bedient werden und zu Totalverlusten führen können. Steuerliche Nachzahlungen drohen durch unredliche Geschäftsführer oder fehlende Akteneinsicht, ergänzt um Managementfehler bei Standort oder Höhenberechnung. Keine Renditen entstehen bei windarmen Jahren oder technischen Ausfällen, was zu Insolvenz und Privatinsolvenzrisiko führt. Ursachen der Unwirtschaftlichkeit 2025 war eines der schwächsten Windjahre mit 4 Prozent weniger Erzeugung durch windstille Phasen, was Erträge drückt. Negative Strompreise seit 2025 eliminieren EEG-Vergütungen bei Überschüssen, ergänzt um geringeren Zubau unter Ausbauzielen (68,1 GW statt 76,5 GW). Regulatorische Änderungen, komplexe Genehmigungen und steigende Kosten durch Lieferkettenprobleme machen Projekte unrentabel. Fazit für den Kapitalanleger Die Investition in Windparks ist von einer ökologisch motivierten Sachwertanlage zu einem hochkomplexen Risikogeschäft avanciert. Ohne tiefgreifende Due Diligence der Projektunterlagen, eine Prüfung der Besicherung und eine realistische Einschätzung der Strompreisentwicklung ist von direktbeteiligungen für private Anleger abzuraten. Die mangelnde Liquidität dieser Anlagen (Secondary Market kaum vorhanden) erschwert zudem einen rechtzeitigen Ausstieg bei sich abzeichnenden Krisen. Alternativen für sichere Anlagen Immobilien und vor allem Neubauprojekte sind transparent und planbar, wenn die wichtigen Kriterien beachtet werden - bleibt die Immobilie langfristig eine Freude... ;) Risikohinweis: Dieser Beitrag stellt die persönliche Meinung des Autors dar und keine Anlageempfehlung. Investitionen bergen Risiken, einschließlich des Totalverlusts des eingesetzten Kapitals. Lassen Sie sich unabhängig beraten.
von Holger H. Hohlfeld 31. März 2026
QNG und Sonder-AfA: Steuerliche Vorteile für nachhaltigen Mietwohnungsneubau QNG und die 5 % Sonder-AfA: Warum nachhaltiger Neubau sich steuerlich rechnet Stand: Wachstumschancengesetz 2024 · § 7b EStG Warum gibt es diese Förderung überhaupt? Deutschland hat ein strukturelles Wohnraumproblem. In Ballungsgebieten und Großstädten übersteigt die Nachfrage nach bezahlbarem Wohnraum seit Jahren das Angebot – die Folge sind steigende Mieten, wachsende Wartelisten und eine zunehmend angespannte Lage auf dem Mietmarkt. Die Antwort des Gesetzgebers war zunächst das Gesetz zur steuerlichen Förderung des Mietwohnungsneubaus von 2019, mit dem § 7b ins Einkommensteuergesetz eingefügt wurde. Ziel: Private Investoren sollten durch einen gezielten Steueranreiz dazu bewegt werden, neuen Mietwohnraum im bezahlbaren Segment zu schaffen. Das Instrument lief zum Jahresende 2021 aus. Mit dem Jahressteuergesetz 2022 wurde es unter neuen Voraussetzungen wiederbelebt – diesmal geknüpft an strenge Nachhaltigkeitsanforderungen: Wer die Sonder-AfA in Anspruch nehmen will, muss nachweisen, dass das Gebäude den KfW-Effizienzhaus-40-Standard erreicht und das Qualitätssiegel Nachhaltiges Gebäude (QNG) trägt. Das Wachstumschancengesetz 2024 hat die Rahmenbedingungen noch einmal deutlich verbessert: höhere Kostenobergrenzen, eine angehobene Bemessungsgrundlage und ein verlängerter Förderzeitraum. Die Verknüpfung mit dem QNG-Siegel ist dabei kein technisches Detail, sondern politisches Kalkül – der Gesetzgeber verbindet Wohnungspolitik und Klimapolitik in einem einzigen Instrument. QNG und Sonder-AfA nach § 7b EStG: Steuerliche Chancen für nachhaltigen Mietwohnungsneubau Die Sonderabschreibung nach § 7b EStG bietet privaten Investoren erhebliche steuerliche Entlastungen bei QNG-zertifizierten Neubauwohnungen. Sie ermöglicht über vier Jahre eine zusätzliche lineare Abschreibung von 5% auf Basis einer festen Baukostenobergrenze – unabhängig vom Kaufpreis. Dieser Artikel erklärt fundiert die Regelung, die genaue Berechnung der Obergrenze und Voraussetzungen. Was ist QNG? Das Qualitätssiegel Nachhaltiges Gebäude (QNG) bestätigt hohe Nachhaltigkeitsstandards (z. B. Effizienzhaus 40, DGNB), inklusive Energieeffizienz, CO₂-Bilanz und Lebenszykluskosten. Es ist Voraussetzung für die Sonder-AfA und sorgt für niedrige Betriebskosten sowie stabile Mieten – ideal für Langzeitinvestitionen. Die Sonder-AfA nach § 7b EStG § 7b EStG erlaubt seit 2023 (bis 30.9.2029) eine zusätzliche 5% lineare Sonderabschreibung jährlich über 4 Jahre (kumulativ 20%) auf die förderfähigen Baukosten. Sie kommt zusätzlich zur regulären AfA (linear oder degressiv). Die Abschreibung startet anteilig ab Fertigstellung und mindert Vermietungseinkünfte direkt. Voraussetzungen für Investoren Mietwohnungsneubau mit Vermietungspflicht (keine Eigennutzung etc.). Zeitraum: Bauantrag/Bauanzeige 1.1.2023–30.9.2029. QNG-Zertifikat (EH 40 oder äquivalent), vorab geprüft. Baukostenobergrenze: Genaue Berechnung Wichtig: Nicht der Verkaufspreis (auch nicht ohne Grund/Boden-Anteil) oder tatsächliche Herstellungskosten entscheiden, sondern ausschließlich die gesetzlich festgelegte Baukostenobergrenze für abschreibbare Bauteile (ohne Grund/Boden, Nebenanlagen). Aktuelle Grenzen (seit Wachstumschancengesetz 2024): Obergrenze: 5.200 € pro m² Wohnfläche. Bemessungsgrundlage für 5% AfA: 4.000 € pro m² Wohnfläche. Schritt-für-Schritt-Berechnung (Beispiel: 100 m² Wohnung): Wohnfläche ermitteln: 100 m² (inkl. anteilige Gemeinschaftsflächen). Max. förderfähige Baukosten: 100 m² × 5.200 € = 520.000 € (alles darüber fällt heraus). Bemessungsgrundlage: 100 m² × 4.000 € = 400.000 €. Jährliche Sonder-AfA: 5% von 400.000 € = 20.000 € (über 4 Jahre: 80.000 €). Steuerersparnis: Bei 42% Steuersatz ca. 33.600 € (zzgl. reguläre AfA). Enthaltene Kosten: Baukörper, techn. Gebäudeausrüstung, Außenanlagen (anteilig). Ausgeschlossen: Grund/Boden, künstliche Bodenaufschüttungen, beweglicher Einrichtung etc. ZUSAMMENFASSUNG: Die 5 % Sonder-AfA – wie der Steuervorteil funktionier t • Rechtsgrundlage: § 7b EStG – Sonderabschreibung auf neue Mietwohngebäude mit QNG/KfW-40-Standard • Jährlich 5 % Sonder-AfA auf die steuerliche Bemessungsgrundlage, über einen Zeitraum von 4 Jahren (max. 20 % insgesamt) Die Sonder-AfA wird zusätzlich zur regulären linearen Gebäude-AfA gewährt – beide haben jedoch unterschiedliche Bemessungsgrundlagen und dürfen nicht einfach addiert werden • Die Sonder-AfA wird nicht auf den Kaufpreis berechnet, sondern auf die steuerliche Bemessungsgrundlage – diese ist gedeckelt auf 4.000 €/m² Wohnfläche (max. 200 m² = max. 800.000 €) Angehoben von 2.500 €/m² durch das Wachstumschancengesetz 2024, gültig ab Veranlagungsjahr 2023 • Nicht genutzter Betrag eines Jahres kann auf die Folgejahre innerhalb des 4-Jahres-Zeitraums übertragen werden • Rechenbeispiel: 100-m²-Wohnung → steuerliche Bemessungsgrundlage 400.000 € → 5 % = 20.000 € Sonder-AfA jährlich über 4 Jahre, zusätzlich zur regulären Gebäude-AfA auf die tatsächlichen Herstellungskosten Die 5.200-€/m²-Zugangsgrenze – was genau gemeint is t • Die 5.200 €/m² sind weder der Kaufpreis noch der Betrag, auf den die Sonder-AfA berechnet wird – sie sind eine steuerliche Zugangsgrenze Wird sie überschritten, entfällt die Sonder-AfA vollständig – es gibt keine anteilige Kürzung • Geprüft werden die steuerlichen Herstellungskosten des Gebäudes – das ist ein Steuerbegriff (§ 255 HGB), kein Baukostenbegriff nach DIN 276 • Für Investoren bedeutet das: Nicht der Kaufpreis entscheidet über die Förderung, sondern die Kostenkontrolle während Planung und Ausführung Kostensteigerungen in KG 300/400 können die Förderung rückwirkend gefährden Fristen – je nach Bauantragsdatum • Bauantrag oder Bauanzeige muss nach dem 31.12.2022 gestellt worden sein • Bauantrag vor dem 01.10.2023: Fertigstellung bis spätestens 31.12.2026 Zeitdruck – Projekte sollten bereits im Bau sei n• Bauantrag ab dem 01.10.2023: verlängerte Frist bis 31.12.2029 (Wachstumschancengesetz 2024) Gilt für alle Bauanträge, die vor dem 01.10.2029 gestellt werde n• QNG-Zertifizierungsprozess dauert typischerweise 3–6 Monate – frühzeitig beauftragen, da das Zertifikat vor Fertigstellung vorliegen muss Checkliste: Das muss stimmen • KfW-40-Standard nachgewiesen (Energieausweis / Sachverständigenbestätigung) • QNG-Zertifikat vorhanden, vor Fertigstellung erteilt • Steuerliche Herstellungskosten des Gebäudes (im Wesentlichen KG 300+400 nach DIN 276, ohne Grundstück und Außenanlagen) ≤ 5.200 €/m² Wohnfläche – sonst vollständiger Ausschluss der Sonder-AfA • Steuerliche Bemessungsgrundlage für die Sonder-AfA: gedeckelt auf 4.000 €/m² (max. 200 m² = max. 800.000 €) – unabhängig vom Kaufpreis • Mindestens 10 Jahre Vermietung geplant (keine Eigennutzung, keine Ferienwohnung) • Nicht kombinierbar mit Investitionsabzugsbetrag (IAB) nach § 7g EStG • Maximal 3 Objekte pro Steuerjahr förderungsfähig (ab 2023) Risikohinweis: Steuerliche Förderungen können sich ändern; prüfen Sie aktuelle Gesetze. Historische Vorteile garantieren keine Zukunftsergebnisse. Dieser Artikel ist keine Anlage- oder Steuerberatung, lassen Sie sich von einem Steuerberater etc. hierzu beraten.
von Holger H. Hohlfeld 31. März 2026
Droht ein Börsencrash 2026? Die Rolle von Zyklen und Geldmarktzinsen Verschiedene Börsenzyklen und Geldmarktzinsen deuten auf erhöhte Risiken für 2026 hin, doch diese Indikatoren sind keine Garantie für einen Crash. Dieser Artikel vertieft die einzelnen Zyklen wissenschaftlich fundiert und analysiert ihre Implikationen. Basierend auf historischen Mustern und aktuellen Daten aus März 2026 bleibt Vorsicht geboten, ohne Panikmache. Wirtschaftliche Konjunkturzyklen Konjunkturzyklen umfassen typischerweise vier Phasen: Expansion mit steigenden Gewinnen und Aktienkursen, Höhepunkt mit Überhitzung, Kontraktion mit Abschwung und Tiefpunkt mit Erholung. Diese Zyklen dauern historisch 5–10 Jahre und korrelieren stark mit BIP-Wachstum; Studien des National Bureau of Economic Research (NBER) dokumentieren seit 1854 durchschnittlich 7 Jahre pro Zyklus. Nach dem Tief 2020 und Hoch 2021/22 nähert sich der aktuelle Zyklus einem Höhepunkt, was 2026 eine Korrektur wahrscheinlich macht – ähnlich 2000 oder 2008. Präsidentielle Wahlzyklen Der Präsidentschaftszyklus besagt, dass Aktienmärkte im ersten Jahr nach US-Wahlen schwach performen (durch Reformen), im zweiten Jahr am schwächsten stehen, dann im dritten und vierten Jahr zulegen. Yale-Professor Hirshleifer fand empirisch, dass der Durchschnittsrendite im Wahljahr 4 +11% beträgt, im Midterm-Jahr nur +2%. Nach Trumps Amtsantritt 2025 könnte 2026 das schwache Midterm-Jahr werden, verstärkt durch fiskalpolitische und geopolitische Unsicherheiten. Dekadenzyklen und die "Magische 7" Dekadenzyklen zeigen, dass Börsen am Jahrzehntende (z. B. 1989–90, 1999–2000, 2007–09) oft Höchststände erreichen, gefolgt von Crashs – die "Magische 7" postuliert Hochs Mitte des Jahrzehnts (z. B. 1976, 1987) und Ende (z. B. 2000). Eine 150-jährige Analyse der Dow Jones bestätigt dies: Seit 1870 fielen 70% der Jahrzehnte mit Minus aus, 2026 als "Endzyklus" erhöht das Risiko. Solche Muster beruhen auf Psychologie und Geldpolitikwechseln. Die "Magischen 7" Aktien (Magnificent Seven: Apple, Amazon, Alphabet/Google, Meta, Microsoft, Nvidia, Tesla) haben in den letzten 6 Monaten (Oktober 2025 bis Ende März 2026) tendenziell Verluste eingefahren, passend zu Zykluswarnsignalen. Der Index DER AKTIONAER Magnificent 7 fiel um ca. 18% von seinem Hoch im Januar (203,81 Pkt.) auf 171–174 Pkt. nun, mit -7,26% im März allein. YTD 2026 zeigen sie gemischte, aber überwiegend negative Performances, z. B. Microsoft -20,7%, Tesla -16,8%, Amazon -10,4%. Während Mag 7 (KI-getrieben) 2026 -5 bis -21% YTD verlieren und unter breiten Indizes zurückbleiben, outperformen Eurozone-Sektoren wie Defense (+20–125 % 2025/26), Banken (+93%, Stoxx Banks +50% seit 2025) und Industrie dank EU-Investitionen (1 Bio. € in Infrastruktur/Verteidigung). Europa widersteht Börsenzyklus-Crashs besser durch Diversifikation: Euro Stoxx 50/DAX +3–5 % 6M, getrieben von Rotation zu "Old Economy" (Rheinmetall, Siemens, SAP), während US-Nasdaq -10–20% fällt. EZB-Stabilität (2% Zins) vs. Fed-Druck mildert Risiken; keine inversen Yield-Curve-Effekte wie in den USA. Elliott-Wellen-Theorie Die Elliott-Wellen-Theorie identifiziert fünf Aufwärtswellen (Impuls) und drei Korrekturwellen in Supercyklen von Jahrzehnten. Aktuelle Analysen sehen den S&P 500 in Welle 5 eines 80-jährigen Zyklus (Start 1942), mit Zielkursen um 6.500–7.000 Punkte vor einem Crash 2026/27. Ralph Nelson Elliott begründete dies 1938 mit Fibonacci-Verhältnissen; Backtests zeigen 60–70% Trefferquote, doch Kritiker bemängeln Subjektivität. Kondratieff-Wellen Kondratieff-Wellen sind 40–60-jährige Langfristzyklen, getrieben von Technologie und Schulden: Frühphase (Innovation), Blüte, Rezession, Depression. Der aktuelle fünfte Zyklus (1980er–2020er, Digitalisierung) nähert sich der Depression ab 2025–30, mit Deflation und Crashs wie 1929. Nikolai Kondratieffs Theorie (1920er) wird durch Preisindizes gestützt, Prognosen sehen 2026 als Wendepunkt. Geldmarktzinsen und Yield Curve Kurzfristige Geldmarktzinsen bei 3,2–3,5% (Fed Funds, Eonia) belasten Unternehmensgewinne und machen risikofreie Anlagen attraktiv. Die Yield Curve – invers bei Rezessionen – ist seit März 2026 normalisierend (10J-2J-Spread +0,15%), signalisiert aber Latenzrisiken; historisch traf sie 71% der Rezessionen voraus. Hohe Margin Debt (1,25 Bio. USD) verstärkt Volatilität. Risikobewertung für Anleger Diese Zyklen überlappen 2026, erhöhen Crash-Wahrscheinlichkeiten (ca. 30–40% empirisch), doch Märkte sind anpassungsfähiger durch Digitalisierung / KI, Steuerung durch die Notenbanken, Geldmenge und Globalisierung. Diversifizieren Sie in reale Assets bleibt erforderlich ... Risikohinweis : Die hier dargestellten Analysen bergen Unsicherheiten, da Märkte von unvorhersehbaren Ereignissen beeinflusst werden können. Historische Muster garantieren keine Zukunftsergebnisse. Rechtlicher Hinweis : Dieser Artikel stellt keine Anlageempfehlung dar und spiegelt ausschließlich die persönliche Einschätzung und Meinung des Autors wider. Leser sollten unabhängige Beratung einholen und eigene Recherchen durchführen.
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