Das Jahr 2025: Meine Prognosen für das Jahr

Das Jahr 2025: Meine Prognosen für ein Jahr der tektonischen Verschiebungen
Holger H. Hohlfeld | Januar 2025
Es gehört zu meiner Arbeit als Kapitalmarktkommentator und Immobilienadvisor, wirtschaftliche und politische Entwicklungen nicht nur zu beobachten, sondern vorauszudenken. Was ich für 2025 sehe, ist kein normales Jahr. Es ist ein Jahr der tektonischen Verschiebungen – in der Handelspolitik, in der europäischen Innenpolitik, in der Geldpolitik und, und das betone ich mit Nachdruck, in der geopolitischen Ordnung des Nahen Ostens. Wer das Jahr 2025 passiv betrachtet, wird von ihm überrollt. Wer es versteht, findet darin außergewöhnliche Chancen.
1. Deutschland: Der unvermeidliche politische Neustart
Die Ampelkoalition ist Geschichte. Die Vertrauensfrage, die Scholz im Dezember verloren hat, war kein Betriebsunfall – sie war das finale Symptom einer Regierung, die keine gemeinsame wirtschaftspolitische DNA besaß. Im Februar wird Deutschland neu wählen.
Meine Einschätzung: Deutschland wählt rechts der Mitte. Die Union wird gewinnen. Die AfD wird stärker abschneiden als je zuvor – ich erwarte sie als zweitstärkste Kraft mit einem Ergebnis, das die politische Mitte tief beunruhigen wird. FDP und BSW werden an der Fünf-Prozent-Hürde scheitern. Das Ergebnis wird zwangsläufig in eine große Koalition aus Union und SPD münden – keine Koalition der Überzeugung, sondern der arithmetischen Notwendigkeit.
Friedrich Merz wird Kanzler werden. Er wird versuchen, schnell zu regieren – und dabei auf den Widerstand einer SPD stoßen, die ihre historische Niederlage noch nicht verarbeitet hat.
Was ich für die neue Regierung erwarte: Sie wird die Schuldenbremse reformieren müssen, ob sie will oder nicht. Verteidigung und Infrastruktur lassen sich nicht mehr aus dem laufenden Haushalt finanzieren. Dieser fiskalpolitische Schwenk ist überfällig – und wird am Kapitalmarkt kurzfristig positiv aufgenommen werden. Mittelfristig setzt er jedoch inflationäre Impulse frei, die 2026 und 2027 spürbar werden.
Die deutsche Wirtschaft steht am Beginn des Jahres auf äußerst wackeligem Fundament. Das BIP ist im vergangenen Jahr geschrumpft, die Industrieproduktion schwächelt, die Insolvenzzahlen steigen weiter. Wer auf einen schnellen Aufschwung hofft, wird enttäuscht werden. 2025 wird ein Jahr der Stabilisierung, nicht des Aufbruchs.
2. Trump und der handelspolitische Epochenbruch
Donald Trump ist seit dem 20. Januar wieder im Oval Office. Wer glaubt, sein erster Term sei die Blaupause für den zweiten, unterschätzt die Radikalisierung. Trump wird in 2025 zu einem handelspolitischen Paukenschlag ausholen, der die Weltwirtschaft erschüttert.
Meine Prognose: Im Frühjahr 2025 wird Trump umfassende reziproke Zölle gegen nahezu alle Handelspartner verhängen – und diesen Schritt als wirtschaftliche Befreiung Amerikas inszenieren. Für die EU erwarte ich Zusatzzölle von mindestens 20 Prozent. Gegen China wird er noch deutlich weiter gehen – ich halte Zölle von 50 Prozent aufwärts für wahrscheinlich, möglicherweise deutlich mehr, wenn Peking mit Vergeltungsmaßnahmen antwortet.
Die Börsen werden kurzfristig massiv einbrechen. Das wird sich anfühlen wie eine Krise. Es wird sich falsch anfühlen, in dieser Panik zu kaufen. Und es wird trotzdem die richtige Entscheidung sein – denn die Märkte werden sich erholen. Wer in der Panik verkauft, verliert. Wer die Schwäche nutzt, wird am Jahresende besser stehen als vorher.
Trump wird die Zölle mehrfach ankündigen, aussetzen, neu verhandeln und erneut einsetzen. Das ist kein strategischer Plan – das ist sein Verhandlungsstil. Die handelspolitische Unsicherheit wird das ganze Jahr das dominante wirtschaftliche Thema bleiben. Investitionsattentismus ist die absehbare Folge, und Deutschland als exportabhängige Volkswirtschaft wird das besonders spüren. 2026 werden die Zeiten für die Börsen schwieriger und mögliche Zyklen/Indikatoren könnten zu massiven Einbrüchen führen.
3. Die EZB: Zinssenkungen bis zur Erschöpfung
Für die EZB wird 2025 das Jahr der kontrollierten Lockerung sein. Die Inflation ist weitgehend gezähmt, die europäische Konjunktur schwächelt – der Druck zur Zinssenkung ist politisch und ökonomisch erheblich.
Ich erwarte, dass die EZB den Leitzins im Laufe des Jahres deutlich senken wird – in mehreren Schritten, mit dem Ziel, die Eurozone konjunkturell zu stützen und ihre Wettbewerbsfähigkeit gegenüber einem durch Zölle gestärkten Dollar zu sichern. Mein Zielwert: ein Einlagezins in der Nähe von 2 Prozent oder darunter bis zur Jahresmitte.
Dann wird die EZB pausieren – und in dieser Pause gefangen sein. Denn eine Zentralbank, die auf Preisstabilität ausgerichtet ist, kann bei einem Angebotsschock nicht einfach weiter lockern, ohne ihre Glaubwürdigkeit zu opfern. Und ein Angebotsschock steht bevor – dazu gleich mehr.
Für Baufinanzierungen bedeutet das: Das Fenster günstiger Konditionen, das sich mit den Zinssenkungen in der ersten Jahreshälfte öffnet, ist eng. Wer finanzieren will, sollte die ersten Monate des Jahres konsequent nutzen. Die zweite Jahreshälfte und das Jahr 2026 dürften deutlich teurer werden.
4. Was das für Immobilien und Realwerte bedeutet
Die Kombination aus Zollkonflikten, geldpolitischer Unsicherheit und dem Geopolitikrisiko am Persischen Golf erzeugt ein Umfeld, das strukturell vorteilhaft für Sachwerte ist – wenn man die richtigen Schlussfolgerungen zieht.
Energieeffizienz ist keine Förderbürokratie – sie ist Risikomanagement. Wer heute ein KfW-40-Objekt kauft, sichert sich gegen das Szenario ab, in dem Energiepreise durch einen Nahost-Konflikt massiv steigen. Das ist kein Zufall; das ist Strategie.
Angebotsverknappung treibt Preise. Steigende Materialpreise durch Zölle auf Stahl und Aluminium, explodierende Baukosten und regulatorische Hemmnisse bedeuten: Der Markt wird zu wenig bauen. Was zu wenig gebaut wird, steigt im Wert. In Wachstumsregionen mit demographischer Substanz gilt das besonders – München, Metropolregion Nürnberg, Leipzig, Dresden und ihr Umland, Universitätsstädte, prosperierende Regionen abseits der Großstadtzentren.
Das Zins-Fenster schließt sich. Die erste Jahreshälfte 2025 bietet das günstigste Finanzierungsumfeld, das wir für längere Zeit sehen werden. Ein Nahost-Konflikt, wie ich ihn beschreibe, wird die Bauzinsen deutlich nach oben treiben – unabhängig von dem, was die EZB beschließt. Die Bundesanleihen werden fallen und die Renditen steigen, was zu steigenden Immobilien-Zinsen führt.
Fazit: Das Jahr der Weichensteller
2025 wird kein Jahr der ruhigen Fahrt. Es wird ein Jahr, in dem politische Entscheidungen in Berlin, Washington und wirtschaftliche Realitäten für das folgende Jahrzehnt vorprogrammieren.
Meine Kernbotschaft an Kapitalanleger und Immobilieninvestoren lautet:
Handeln Sie, bevor die Ereignisse für Sie handeln. Die Zölle kommen. Die EZB senkt – und wird dann innehalten. Die Inflation kehrt zurück, diesmal mit geopolitischer Wucht. Und Realwerte in soliden Lagen, mit guter Energiebilanz und stabilen Mietern, werden das sein, was sie in Krisenzeiten immer waren: Kapitalerhalt in Substanz gegossen.
Wer in 2025 richtig positioniert ist, wird 2026 und 2027 nicht bedauern, früh gehandelt zu haben.
Holger H. Hohlfeld ist Kapitalmarktkommentator und Gründer von HIKV (hikv.de), einer unabhängigen
Immobilieninvestment-Beratung für Direktinvestoren – seit 16 Jahren




















































